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Workin' Mums von und mit Catherine Reitman

Inhalt: Nippelpiercing, Regretting Motherhood und Milch abpumpen

Eine Handvoll befreundeter Frauen mit Babies in ähnlichem Alter, alle berufstätig. In der ersten Szene sitzen sie barbusig da und sprechen über das Stillen. Und darüber, was das mit ihren Brüsten so gemacht hat.

 

Da gibt es die Hauptfigur, Kate, gespielt von Catherine Reitman. Erfolgreiche Frau, arbeitet bis spät, muss sich ständig zwischen Zu Hause und ihrem Job zerreißen. Ein ewiger Konflikt, der sich nur sehr langsam bessert.

 

Jenny, die nach der Geburt feststellt, dass das alles irgendwie gar nichts für sie ist und sie sich wieder für Parties und Büroflirts interessiert.

 

Anne, die Psychologin mit Wutproblemen, hat bereits ein Kind. Das steckt mitten in der Pubertät und macht Schwierigkeiten, von denen Eltern hoffen, sie mögen an ihnen vorbeigehen.

 

Frankie, die allmählich in eine postpartale Depression absinkt, die ihre Ehe und auch ihr Leben gefährden.

 

Die vier sind befreundet, stehen sich gegenseitig bei. Dazu gibt es noch die Ehemänner und, in Frankies Fall, die Ehefrau, die ebenfalls berufstätig sind und oft zu kurz kommen beim täglichen Chaos. 

Reflektion

Ich hatte mir kurz vorher "Milcheinschuss" (The Letdown), eine australische Serie, die nach zwei Staffeln fertig erzählt war, angeschaut, und Workin' Mums geht in eine ähnliche Richtung.

 

Warum mich das interessiert, liegt irgendwie auf der Hand. Bevor ich Mutter wurde, dachte ich, zumindest die Berufswelt im öffentlichen Dienst sei gleichberechtigt und eher feministisch. Als unser erstes Kind sieben Monate alt war, ging ich wieder in Teilzeit arbeiten und stellte fest, dass all die Theorie gegen die Praxis nicht ankommt.

 

Es war nun einmal so, dass mein männlicher, kinderloser Kollege alle Emails sofort sah und beantworten konnte, während ich nur montags und dienstags und an allen anderen Tagen nur während Babys Mittagsschlaf überhaupt den Rechner einschalten konnte. Dienstreisen waren schwierig, über Nacht sogar unmöglich. Abgestillt habe ich dann während einer Dienstreise, als das Baby elf Monate alt war. Ich war der Meinung, die Konferenz sei einfach zu wichtig, um nicht zu fahren oder jemand anderen fahren zu lassen. Ob das so richtig war und wie sehr so ein plötzliches Abstillen weh tun kann, will ich hier gar nicht weiter erörtern. Ich sage nur, ich fühle bei vielen Momenten der Serie mit. Der Tag hat auch nach der Geburt des ersten Kindes nur 24 Stunden und es ist plötzlich so viel mehr zu tun. Ein zweites Kind macht auch nichts einfacher.

 

Workin' Mums bricht sogar etwas, das fast ein Tabu ist: Eine der Mütter entscheidet sich, sich von ihrer Familie zu trennen. Das Baby wohnt beim Vater, sie sieht es nur noch an vereinbarten Tagen. Mutter sein ist eben doch nichts für sie. Dass sie damit später ab und zu hadert und Schwierigkeiten hat, dazu vor anderen Müttern zu stehen, ist umso authentischer.

 

Sogar Abtreibung ist ein Thema, Abtreibung bei einer Frau, die bereits Mutter ist. Das wurde auch schon bei "Milcheinschuss" thematisiert, offenbar dreht die Welt sich doch weiter.

 

Dann onanieren, beim Abpumpen. Auch originell. Nicht unbedingt ein naheliegender Einfall, sehr überzeugend präsentiert. Außerordentlich witzig.

 

Depression, sogar bis zur Einweisung in die Klinik und dem Zerbrechen der Ehe daran. Hier ist niemand zimperlich, wenn auch all diese Themen mit Respekt, Humor oder auch beidem behandelt werden. Es gibt auch weniger ernste Dinge wie Nippelpiercing, obwohl man noch stillt (also bitte, alleine schon die Idee!) oder Sex nach der Geburt.

 

Mein bester Freund wollte mir die Serie empfehlen, ich hatte aber schon längst die ersten drei Staffeln angeschaut. Er fand den LSD-Trip besonders schön. Er hat sich dann auch die Rezension gewünscht.

Trivia

Catherine Reitman und Philipp Sternberg, die in der Serie Kate und Nathan spielen sind auch in echt ein Ehepaar. Sie hatten die Idee zu der Serie während sie ihr erstes Kind erwarteten. Catherine fand, dass die Mütter, die man heutzutage so im Fernsehen sieht eher perfekt dargestellt werden oder bestenfalls häusliche Probleme haben. Vereinbarkeit von Beruf und Familie war ihrer Meinung nach zu wenig dargestellt.

 

Inzwischen haben die beiden zwei Kinder. Catherine hat selber postnatale Depression hinter sich. Sie kann sich nicht nur mit Kate identifizieren, sondern auch mit den anderen Müttern. Genau genommen hat sie all ihre Erfahrungen und Ideen auf vier Frauen verteilt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kasimir (Freitag, 23 Oktober 2020 18:28)

    Die lese ich immer wieder gern. Sehr schön zusammengefasst!