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What moves the Dead von T. Kingfisher - Poe reloaded!

T. Kingfisher (Ursula Vernon) hat sich mit What moves the Dead eines Grusel-Klassiker angenommen:

Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Alan Poe.

 

Das Schöne ist, ich wusste das vor dem Lesen nicht und durfte es dann selbst entdecken, das Szenario (ungepflegtes Haus, Geschwisterpaar lebt zusammen, sie todkrank, er auch total angeschlagen, alter Freund kommt zu Besuch), plus die Namen, das war zu auffällig, vor allem, da ich das Original erst 2020 gelesen hatte. 

 

Einige Unterschiede gibt es, so schrieb Poe seine Erzählung ca. 1839 und der Kingfisher-Roman spielt 1890 (explizit im Text erwähnt). Die Länge ist natürlich auffällig, Poes Erzählung hat rund dreißig Seiten, Kingfishers Kurzroman 170.

 

Es scheint auch mehr Personen zu geben und natürlich ist es moderner verfasst, szenisch, nicht so beschreibend. Ich bin deutlich näher dran an den Figuren, es ist keine reine Ideenliteratur, sollte es auch nicht sein, denn zumindest im ersten Drittel scheint noch keine neue Idee durch, auch wenn es Andeutungen gibt (ich habe keine große Rolle der Pilze im Kopf, was das Original betrifft). 

 

Die Hauptfigur ist hier auch nicht namenlos, sondern heißt Alex, was mich schon misstrauisch machte. Alex nutzt als Pronomen "ka/kan", was auch erklärt wird und mit kan Beruf als "sworn soldier" zu tun hat, die zunächst nur Männer aufgenommen hatten, es aber verabsäumt hatten, das irgendwo in den Regeln festzulegen und als sie unter Personalnot litten und sich die ersten Frauen dort bewarben ... nun ja. Alex konnte sich dann irgendwann in eine kleine Tradition von Nichtmännern einreihen, die aus einer Reihe von Gründen in den Krieg ziehen wollten, in Alex' Fall waren die Gründe mehr finanziell als ideologisch. 

Der Weltenbau ist schon interessant, im Gegensatz zu Poe eindeutig eine alternative Vergangenheit, ich interpretiere Alex als oft zu Unrecht weiblich gelesene Person, die sich aber weder als Mann noch als Frau interpretiert. Ka hat kan Brüste früher abgebunden, was ka nun aber nicht mehr macht. Auch ein interessantes Detail, es wirkte wie "Diese Mühe mache ich mir nicht mehr".  

 

Die Story "vor Ort" ist dem Original ähnlich, es gibt natürlich mehr Szenen und auch mindestens eine Figur mehr. Frei von Spannung ist es garantiert nicht, ich habe mir trotz Kenntnis des Originals schon die eine oder andere dringliche Frage gestellt. 

Fazit

Mit einigen Monaten Abstand muss ich leider sagen, dass nur die wirklich gute Darstellung der Pilze (Stichwort weiße Haare) gut in Erinnerung bleibt. 

Insgesamt hätte ein Remake nicht sein müssen - Poes Geschichten schaffen es offenbar ja, eher schon Jahrzehnte oder gar ein Jahrhundert im Kopf zu bleiben.

 

Ja, dieser Kurzroman liest sich einfacher, gefälliger, spannender als das Original - gebraucht hätte ich das nicht.

 

Ist aber immerhin viel besser als Thornhedge der gleichen Autorin, das von Dornröschen  inspiriert worden war.

 

Sprachlich immer gut, aber ansonsten plädiere ich für neue Geschichten, nicht die alten im neuen Gewand. Dr. Moreaus Tochter von Silvia Moreno-Garcia hätte ich beispielsweise auch nicht gebraucht.

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