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Wir sind (die) Weltklasse von Tanya Lieske und Sybille Hein

Warum wir das Buch so mögen

In der Hauptsache: Weil es sich so echt anfühlt. Adams Familie (vor allem sein Opa), seine Lehrerinnen, der Hausmeister, einige Eltern, seine ganze Klasse: Die agieren einfach so, wie auch echte Menschen sich verhalten würden. Teilweise merken wir an den Dialogen, wer spricht, ohne dass es dazu gesagt werden muss und das ganz ohne irgendwelche Tricks. Adams Mitschülerin Kübra haben wir beispielsweise immer an ihrer Wortwahl erkannt, die hat einfach ihren eigenen Ton.

 

Außerdem ist das Buch witzig, aber auch sehr ernst. Schwierige Themen werden behandelt. Allen voran der Krieg in der Ukraine, der wirklich sehr erschütternd, aber trotzdem kindgerecht eine Rolle spielt, durch den schweigsamen Artem. 

Familienstreit um eine demente Oma. 

Schwierigkeiten, Freundschaft zu schließen und nachvollziehbare, aber auch nicht immer schöne Dynamiken im Klassenverband.

Ein Stotterer, der aber unbedingt am Vorlesewettbewerb teilnehmen möchte.

Und, was gleichzeitig ein wichtiges Thema ist und auch für etwas Humor sorgt: Das Zusammenprallen von altmodischen Werten (meist verkörpert durch Adams Großvater) und moderner Aufmerksamkeit (Awareness, Wokeness).

 

So ist das Buch ganz aufrichtig auch für den vorlesenden Elternteil sehr schön. Es ist die ganze Zeit über interessant und auch für mich als erfahrene Leserin mittleren Alters nicht vorhersehbar, aber trotzdem folgerichtig.

 

In dieser Geschichte haben alle ihren Platz. Auch der Opa, der der Meinung ist, Frauen seien nur zum Heiraten da, nicht zum Spielen. Seine antiquierte Meinung bleibt aber nicht unkommentiert stehen, er kriegt gleich Kontra von Adams Papa.

 

Adam ist inzwischen in der zweiten Klasse und erst kurz vor der ersten Klasse nach Deutschland gezogen. Mit seiner "Klecksfamilie": Vater, Mutter, Opa und er. 

 

Adam geht in die Igelklasse, dort sind nur zwei Kinder ursprünglich aus Deutschland, alle andere kommen aus folgenden Ländern:

Afghanistan

Albanien

Libanon

Marokko

Nigeria

Polen

Russland

Syrien

Türkei

Ukraine 

Kleine Polnisch-Stunde

Adam kann zu Beginn von Klasse 1 nur drei Sätze auf Deutsch sagen. Mein ältestes Kind und ich können nun eine Handvoll Sprüche auf Polnisch sagen, dank dieses Buchs. Allzu weit kommen wir damit in Polen vermutlich nicht, aber Spaß hat es uns trotzdem gemacht. 

Aussage und Fazit

Das Buch vermittelt Werte wie Akzeptanz und Zusammenhalt. Aber man darf eben auch "Kind sein" und ein Kind möchte eben manchmal am liebsten mit den coolen Jungs spielen.  

 

Und ein polnischer Großvater kann vielleicht mit vegetarischem Essen nicht so viel anfangen oder hat noch sehr altmodische Vorurteile und Gender-Vorstellungen im Kopf. Das wird humorvoll aufgebrochen oder darf eben seinen Platz haben - nur eben nicht unwidersprochen.

 

Das Buch zeigt einfach: So ist die Welt. Wir leben alle in ihr, akzeptieren uns, hinterfragen uns aber auch, stellen die Werte unserer Eltern oder Großeltern in Frage und bilden unsere eigene Meinung.  

 

Ein witziges, wichtiges und lesenswertes Buch, das uns viel Spaß gemacht hat, aber auch berührt hat.