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Rip van Winkle - Kurzgeschichte von Washington Irving (1819)

Harte Fakten

Titel Rip van Winkle
Autor*in Washington Irving
Erscheinungsjahr 1819

Inhalt der Kurzgeschichte

Englische Kolonialzeit, Bundessstaat New York.

 

Rip van Winkle ist ein einfacher Bursche, der Arbeit scheut, vor allem jene im eigenen Haushalt. Seine Frau nörgelt den ganzen Tag in ihm herum. Er hat zwei Kinder und einen Hund. Am liebsten sitzt er auf einer Bank oder geht in die Kneipe.

 

Eines Tages geht er auf einen Berg, trifft auf eine kegelspielende Gesellschaft, trinkt aus einem Fass und schläft ein.

 

Wieder aufgewacht, ist sein Bart plötzlich ganz gehörig gewachsen. Seine Knarre ist vermodert. Er geht zurück in sein Dorf, erkennt nichts wieder, weder Hund noch Mensch. Die Gebäude sind auch anders, sein eigenes Zuhause ist verfallen.

 

Hier wurde ich hellhörig, aha, wieviel Zeit ist denn tatsächlich vergangen?

 

Er fragt nach alten Bekannten, doch die sind tot, in den Krieg (Unabhängigkeitskrieg) gezogen oder weggezogen. Es gibt plötzlich keinen König mehr, seine beiden Kinder sind erwachsen, seine Frau ist inzwischen gestorben (das bedauert er nicht).

 

Das Rätsel löst sich, er hat zwanzig Jahre lang geschlafen und die Welt hat sich ohne seine Teilhabe weitergedreht.

 

Nun endlich ist er in einem Alter, in dem von ihm nicht mehr erwartet wird, dass er groß mit anpackt und er macht sich einen gemütlichen Lebensabend im Haushalt seiner Tochter und erzählt seine Geschichte des zwanzigjährigen Schlafs jedem, der es hören mag.

Reflektion

Das ist eine nette kleine Geschichte mit einem liebenswerten, verschlafen wirkenden Protagonisten und einer  guten Idee dahinter. Mag sie auch geklaut sein. Vielleicht klaue ich sie mir in abgewandelter Form ebenfalls für eine meiner Kurzgeschichten.

 

Der Anfang des Hörbuchs ist ein wenig anstrengend, weil man meiner Meinung nach genau merkt, wann eine neue Szene beginnt, es gibt sozusagen hörbare Schnitte, die zudem zu wenig Pause zwischendurch haben, dass nervt. Das gibt sich dann aber später, womöglich auch, weil die Szenen länger werden, außerdem taut der Vorleser etwas auf. (Ich habe die Version von Michael Ward gelesen von Audible "A Washington Irving Collection of Short Stories").

 

Die Ehefrau von Rip van Winkle kommt nicht gut weg. Ihr Mann ist faul, sie muss den ganzen Haushalt und die Kindererziehung alleine schmeißen (auch schon bevor er zwanzig Jahre verschläft) und wird dann noch als ständig nörgelnde Alte dargestellt. Später ist er erleichtert, dass sie inzwischen tot ist. Nun, wollen wir mal annehmen, dass es hier lediglich eine weibliche Einzelperson ist, die schlecht wegkommt und es nicht generell frauenfeindlich gedacht ist.

 

Rip van Winkle hat seine besten Jahre verschlafen, scheint das aber gar nicht zu bedauern. Er freut sich, seine Kinder wiederzusehen und grämt sich gar nicht, dass diese bereits erwachsen sind und er ihre restliche Kindheit verpasst hat.

Trivia

Ich hielt Rip van Winkle eigentlich immer für eine Rockband - das gleiche war mir schon mit Uriah Heep passiert - aber die Band Rip van Winkle ist doch deutlich weniger bekannt als Uriah Heep oder die Kurzgeschichte von Washington Irving.

 

Rip van Winkle gilt als die erste us-amerikanische Kurzgeschichte. Die Idee ist angelehnt an eine deutsche Sage (die Kyffhäusersage vom schlafenden Friedrich Barbarossa).

 

Die Kurzgeschichte hat Washington Irving in einer Nacht verfasst (nun, zumindest den ersten Entwurf).

 

Mit Rip van Winkle ist Irving quasi der Erfinder der Kurzgeschichte, vorher gab es keine (eigentlich erstaunlich).

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