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The One Finde dein perfektes Match von John Marrs

Harte Fakten

Titel The One: Finde dein perfektes Match 
Autor*in John Marrs 
Erscheinungsjahr 2017 
Seitenzahl 496 
Länge Hörbuch 12 Std. 30 
Sprecher*in Charles Rettinghaus 

Inhalt

Zugegeben, der Science-Fiction-Anteil ist klein. Er bezieht sich lediglich darauf, dass es eine Firma gibt, die aufgrund einer DNA-Probe dazu in der Lage ist, dein*e perfekte*n Partner*in zu finden. Daraus lässt sich aber einiges machen. 

 

Anfangs steht ein sprachlich anspruchsvolles Zitat von Victor Hugo. Der Roman ist allerdings sprachlich alles andere als anspruchsvoll, auch stilistisch oder was die Details der Beschreibungen betrifft, ist es eher unterdurchschnittlich. Es gibt eine Szene, in der zwei der Figuren den Sonnenaufgang auf der Südhalbkugel betrachten. Für eine der Figuren ist es das erste Mal, dass sie dieses Erlebnis von Australien aus hat, da sie aus England ist. Dennoch wird nichts beschrieben, nicht einmal ein kurzes Bild, kein Detail, kein Halbsatz. Spätestens hier wird mir klar: Der Autor legt darauf keinen Wert. Er möchte eine Geschichte erzählen. Die Umgebung spielt keine Rolle. Weder Orte noch Menschen werden mit treffenden Details beschrieben. Es geht nur um die Handlung, was den Plot nicht voranbringt, wird ausgelassen, Atmosphäre ist unwichtig.

 

Es gibt fünf unterschiedliche Geschichten rund um das Thema "The One", die abwechselnd erzählt werden, was den Reiz hat, dass einiges aus dem Thema herausgeholt wird und außerdem oft einen Cliffhanger am Ende eines Kapitels erlaubt, der mich bei der Stange hält. Die Charaktere sind insgesamt nicht irre tief. Zwar sind sie nicht unbedingt klischeehaft (na ja, ein wenig), aber das Identifikationspotenzial hält sich in Grenzen, was bei diesem Thema eher erstaunlich ist. 

 

Ereignisarmut kann man diesem Roman definitiv nicht vorwerfen. Wobei es in etwa zu gleichen Teilen Ereignisse folgender Art gibt:

  1. vorhersehbare Ereignisse
  2. unvorhersehbare Ereignisse, die glaubwürdig und gut gewählt sind
  3. unvorhersehbare Ereignisse, die absolut unglaubwürdig sind

Mich regt die erste Art deutlich weniger auf als die dritte. Das macht den Roman für mich stellenweise schwer erträglich.  

 

Ich muss auch sagen, dass ganz schön viele Nebenfiguren sterben. Damit meine ich nicht die Opfer des Serienmörders. Es stapeln sich echt die Todesfälle und nicht nur der Serienmörder mordet.

 

Der Schluss - die letzten drei Minuten - sind übrigens sehr gelungen!

 

Nick

Nick ist mit Sally verlobt. Sally besteht jedoch darauf, den Test zu machen, um herauszufinden, ob sie DNA-Matches sind. Tim willigt nur sehr widerstrebend ein. Es kommt, wie es kommen muss: Sie sind keine Matches. Für Sally ist der Datenbank noch kein Match bekannt und Tims Match ist: Ein Mann. Dabei hat er bisher nur heterosexuelle Erfahrungen.

Am Ende trifft Nick eine Entscheidung, die so menschlich ist, dass ich ihn zu meiner Lieblingsfigur des Romans ernenne. Vorher bleibt er allerdings etwas blass.

 

Ellie

Ellie führt ein milliardenschweres Unternehmen. Sie hat sich schon vor Jahren bei Match your DNA angemeldet, erhält dann plötzlich einen Treffer: Tim. Zunächst hält sie ihre Identität vor ihm geheim und gibt sich für eine Frau mit einem Assistentinnenjob aus.

Diese Geschichte hat durchaus ein paar Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen, wenn ich auch andere durchaus ein wenig zu früh vorausgeahnt hatte.

 

Mandy

Mandys Match Kevin wohnt in Australien. Ohne ihn vorher zu informieren, fliegt sie spontan hin. Kevin verbirgt sich zunächst vor ihr, da er ihr etwas verschwiegen hat. Was kann das sein?

Auch diese Geschichte bietet durchaus zwei bis drei Ideen, die mir nicht sofort gekommen sind, wenn auch einige Erklärungen für mich ziemlich auf der Hand lagen und ich mich frage, warum Mandy darauf nicht ebenso früh kommt wie ich.

 

Christopher

Christopher ist Serienmörder. Sein Match ist eine Polizistin. Hier muss ich zugeben, dass ich nicht ahne, in welche Richtung die Geschichte geht, auch wenn ich ein paar ganz leise Vermutungen habe, dass mit der Polizistin möglicherweise etwas seltsam ist, da sie ja immerhin das Match eines Serienmörders ist.

Hier habe ich andere Wendungen vermutet und bin von dem Plot auch nicht sehr mitgerissen.

 

Jade

Geschieden, Ende 30, kinderlos. Doch als sie ihr Match kontaktieren will, findet sie heraus, dass der attraktive Richard vor kurzem gestorben ist. Um ihre Trauer darüber zu verarbeiten - für jeden Menschen gibt es auf der Welt nur einen einzigen Match - geht sie zur Trauerfeier.

Einiges habe ich kommen sehen, nach etwa der Hälfte der Geschichte werde ich dann aber doch mit einigen Wendungen erstaunt.

Das ist eigentlich die spannendste Geschichte, wenn auch eine der Wendungen sehr unglaubwürdig ist.

 

Sprecher Charles Rettinghaus 

Perfekt gewählt. Er liest es genau richtig vor. Emotionslos, wenn angebracht, aber er hat auch die volle Palette der Gefühle drauf, wenn es denn angebracht ist. Ich habe gesehen, dass "Tagebuch eines Killerbots" auch von ihm gelesen wird. Yeah. Händereib.

 

Nicht spoilerfreies Meckern

ACHTUNG SPOILER

Einiges kaufe ich dem Roman nicht ab. Dass ein recht normaler technisch meinetwegen begabter und entschlossener Hacker ein Milliarden-Unternehmen unbemerkt hacken kann. Ist mir zu unwahrscheinlich. Klar, man kann alles mögliche hacken und sicher lahmlegen, aber unbemerkt Datensätze manipulieren? Gibt es da keine Checksummen, Backups, Kontrollen? Glaube ich nicht. Ist Unsinn.

 

Würde jemand ein Baby unter zwei Kilo wirklich in die Obhut der Oma geben? Einfach so? Man gibt doch ein Baby nicht einfach weg und Babys unter zwei Kilos ja sowieso ungern. Kann ich mir auch nicht vorstellen. Ist unwahrscheinlich. So etwas nervt einfach. 

 

Ich bezweifle außerdem, dass ein Serienmörder aus Liebe plötzlich ein Gewissen entwickelt. Die ganze Story um Christopher und Amy war unbefriedigend. Ich hatte da mehr erwartet.

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