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Deutscher Krimi: Hinter den Gesichtern von Richard Lorenz

Inhalt des Krimis

In einer kleinen Stadt nahe München sind vor drei Jahrzehnten einige Kinder umgebracht worden. Der Rektor hat ihnen die Herzen herausgeschnitten und die beiden Hälften jeweils in die Hände der Kinder gelegt. Aufgeklärt wurde die Serie damals von Lisbeth, die das zweite Gesicht hat.

Lisbeth war damals stets die erste Adresse, wenn mal Kinder oder Katzen verschwunden waren. Dank ihr konnte der Mörder überführt werden - aber so richtig traut man ihr nicht über den Weg.

Heute hat Lisbeth eine 14jährige Tochter, Marlene. Ihre Eltern sind mittlerweile gestorben. Viel mehr gibt es nicht in ihrem Privatleben, gelegentliche Unterhaltungen mit ihrem Nachbar Utrecht.

Aus ihrer Perspektive wird erzählt, aus Utrechts und aus der des Polizisten Josef Cordes. Sein behinderter Sohn Moritz war bei der Mordserie unter Verdacht geraten.

Es gibt noch eine vierte Perspektive, doch dann würde ich jetzt spoilern.

Nun beginnen die Morde erneut, diesmal bei Erwachsenen. Mit einigen Gemeinsamkeiten zu den damaligen Morden.

Reflektion

Ich hatte das Buch gekauft, weil ich eine schöne Rezension von Andreas Wolf im Phantastisch!-Magazin gelesen hatte. Ein Krimi mit leisen Tönen."Ruhig, fast still" hat er ihn genannt und den Autor "den Meister der Introspektion". Mir gefällt außerdem, dass Außenseiter im Mittelpunkt der Geschichte stehen, Menschen, die ein Handicap haben oder durch eine andere Art von der Norm abweichen. "Leise und tiefgründig" schreibt Wolf in seiner Rezension. Das stimmt auch irgendwie alles.

Vor allem im ersten Viertel des Krimi gibt es so einige schöne Stellen und Sätze, die ich am liebsten abgeschrieben und an unseren Kühlschrank geklebt hätte.

 

Dann wird es aber irgendwie zäh. Möglicherweise liegt das an den zahlreichen Rückblenden und reflektierenden Gedanken der Figuren. Oftmals stockt die eigentliche Handlung, das szenische Erzählen wird unterbrochen. Das kann durchaus zur Spannung beitragen, hier und da wird es mir persönlich aber zuviel, macht mich ungeduldig und verführt mich zu zu schnellem Lesen. So war ich stellenweise verwirrt und es gab dann doch mehr als einen Aspekt, der mir nicht eingeleuchtet ist. Ohne zu spoilern fällt es nun schwer Beispiele zu nennen, aber mindestens zwei Aspekte habe ich dem Roman nicht abgekauft. Das glaube ich nicht. Kann nicht stimmen. Wurde es nicht gut genug vorbereitet?

 

Die Auflösung wiederum hatte einige gute Momente. Wobei ich mich etwas betrogen fühlte, weil die meiner Meinung nach beste Szene des Showdown quasi "im Off" stattgefunden hat. Vermutlich, weil keiner der Figuren dabei war, aus dessen Sicht hier erzählt wurde und der Autor keine fünfte Perspektive einführen wollte. Das fand ich dann doch sehr schade. Ich möchte gern leise Romane lesen, in denen nicht nur eine Actionszene nach der anderen folgt. Hier wurde aber meiner Meinung nach mit den Rückblenden und der geringen Lautstärke übertrieben. Vielleicht wäre alles besser gewesen, wenn man ein wenig gestrafft hätte. Das wäre auch drin gewesen.

 

Die Zeitform, im Präsenz, ist ungewöhnlich, aber interessant und passt gut zum Geschehen. Außerdem schön finde ich, dass die weibliche Perspektive genauso gut getroffen ist wie die männlichen.

Trivia

Der Autor Richard Lorenz hat lange im Krankenhaus gearbeitet. Das merkt man den Szenen an, in denen Lisbeth im Krankenhaus zu tun hat. Schon beim Lesen habe ich gedacht:"Na, der kennt sich aber aus".

Hinter den Gesichtern ist sein dritter Roman.

In dem Roman wird ganz schön viel geraucht. Fast jede Figur raucht, einige sogar sehr stark. Da drängt sich mir die Frage auf, ob der Autor auch raucht. Zumindest auf den Fotos sieht man ihn nicht rauchen.

In dem Buch kommt sehr viel Jazz vor. Für das nächste Buch wünsche ich mir mehr gitarrenlastige Rockmusik.

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