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The Year's Top Hard Science Fiction Stories 2016

Harte Fakten

Titel The Year's Top Hard Science Fiction Stories
Autor*in Gregory Benford, Gwyneth Jones, Shariann Lewitt, Ken Liu, Ian R. MacLeod, Paul McAuley, Alastair Reynolds
Erscheinungsjahr 2017
Länge Hörbuch 9 Std, 35 Min
Sprecher*innen Tom Dheere, Nancy Linari, Henrietta Meire
Anzahl Geschichten 11

Inhalt

Fazit für Eilige

Die Geschichten sind in der Tat „Hard Science Fiction“. Je nach Grad der Englischkenntnisse und Vorkenntnis in Kosmologie oder Hard Science Fiction.

Es gibt zwei Anker, die mich den Protagonist*innen der Stories näher bringen:

Wissenschaft: Viele sind Wissenschaftler*innen mit Doktorarbeit, Post-Dok-Stellen o. ä.. Selber habe ich zwar nur einen Master (Sheldon: „Wer hat den nicht?“), aber kenne genügend in dieser Lebenssituation und kann mich daher gut identifizieren. Die Forschung ist stets authentisch beschrieben.

Familie/Freundschaft: In vielen Geschichten steht eigentlich eine Familiengeschichte im Vordergrund. Science Fiction bietet nur das Setting. In anderen Stories sind es eher Freundschaften, die dominieren.

 

 

Seven Birthdays (von Ken Liu)

Die Mutter ist längst ausgezogen, Vater und Tochter Mia warten an ihren siebten Geburtstag auf sie. Diese verspätet sich, die Reservierung im Restaurant verfällt. Als sie endlich kommt, ist es zum Drachensteigenlassen  noch nicht zu spät. Die Mutter will die Welt retten, die Sonne verdunkeln, um die Erwärmung aufzuhalten. Ihre Tochter steht dabei nicht an erster Stelle.

Es folgen sechs weitere Geburtstage von Mia, der nächste der 49..

Ihr Vater ist schon lange tot, die Mutter teilweise dement, lebt in der Vergangenheit, spricht von ihrem Sonnenverdunkelungsprojekt. Doch das ist ihr längst gelungen, sie hat es nur vergessen. Die Tochter arbeitet inzwischen an einem ganz anderen Projekt, wenn dieses auch wohl zu spät kommen wird, den Verstand der Mutter zu retten.

Bemerkenswerte Ideen. Transhumanismus per excellence. Und so weit in die Zukunft, dass ich fast glaube, ich bin irgendwie bei H. G. Wells gelandet, nur dass die Jahre hier erlebt und gelebt werden und nicht nur mittels einer Maschine in Minutenschnelle in die Zukunft gefahren wird.

 

Sixteen Questions for Kamala Chatterjee (von Alastair Reynolds)

Der Autor ist bereits fast zwanzig Jahre mit Science Fiction beschäftigt.

Die Doktorandin Kamala aus Mumbai wird befragt, doch ihre Prüfer*innen sind eigentlich schon mit den Gedanken beim Golfen anstatt bei der Verteidigung ihrer Doktorarbeit. Sie ist mit den Gedanken bei ihrem Projekt an der Sonne. Und wie man beschaffen sein muss, wie sie beschaffen sein muss, um dort Leben und mit der Gravitation klarkommen zu können, sie siebenmal so stark ist wie auf der Erde.

 

Number Nine Moon (von Alex Irvine)

Das Jahr 2072, Weltraumvakuum, Action! Marco stirbt, „Marco ist tot, hör auf mit ihm zu sprechen, sprich mit mir, ich lebe“, sagt seine Mitstreiterin zum Protagonisten. Es sieht ganz so aus, als würden sie auch sterben, wenn sie die Maschine nicht gleich in den Gang bekommen. Ein Weltraumabenteuer, das aber auch leise Töne hat, sehr menschliche Momente. Von der Trauer, die in hektischen Momenten fehl am Platz sein mag, der Angst vor dem Tod, und Freundschaft und Zusammenhalten im Notfall.

  

Chasing Ivory (von Ted Kosmatka)

Elefanten sind ausgestorben. Vor ein paar Jahrzehnten gab es sie noch und mithilfe der asiatischen Elefanten hat man Mammuts wieder gezüchtet. Als der letzte Elefant starb war die Protagonistin sechs Jahre alt. Damals gab es schon ein dutzend Mammuts. Diese können in Freiheit leben, in der Arktis. Elefanten gab es nur noch in Gefangenschaft. Dort, wo es warm genug war, waren schon die Menschen.

Doch ist der Gedanke an Elefanten so abwegig, wenn es doch Mammuts gibt? Schließlich waren aus den Mammuts auch irgendwann Elefanten geworden?

 

Something happened here, but we’re not quite sure what is was (von Paul McAuley)

Der Titel passt, denn ich bin mir auch nicht sicher. 15 bewohnbare Planeten, eine Alien-Nation, die Kontakt aufnimmt, aber was ist mit den anderen?

 

Of the Beast in the Belly (von C. W. Johnson)

Das ist eine Story mit extrem interessantem Setting. Es spielt hauptsächlich im Magen bzw. in den Mägen eines Seeungetüms - und es hat eine Vorgeschichte, eine Protagonistin und einen Antagonisten mit vielen grauen Färbungen, einen tollen Plot und ein cooles Ende.

Protagonistin und Antagonistin - auf den sie feurige Rache geschworen hat, warum, erfährt man erst im letzten Viertel der Story - werden verschluckt. Sie haben ziemlich coole Anzüge, die Sauerstoff aus dem Wasser filtern können und resistent gegen Säure sind.

Zunächst verlieren sie sich aus den Augen, sie hält ihn für tot. Zu schade, nun konnte sie ihn nicht eigenhändig töten.

Interessanterweise gibt es durchaus Leben in den Mägen. Menschliches Leben. Die haben sich da schon einige Jahre eingerichtet.

 

RedKing (von Craig DeLancey)

In der Zukunft sind Spielekonsolen sehr fortgeschritten. Verbunden mit unserem Nervensystem lassen sie und sehen, riechen, fühlen. Pornographie ist auch groß mit im Geschäft. Aber was ist das für ein neues Programm namens „RedKing“, das Leute schon hat töten lassen? Liest sich wie ein spannender Software-Virus-Krimi in einer futuristischen Welt.

  

Vortext (von Gregory Benford)

Wissenschafter*innen aus unterschiedlichen Nationen auf dem Mars auf einer Mission, u. a. China, Russland und Australien. Auf der Welt zu Hause bricht ein Krieg aus, in den vor allem Korea, aber auch die Heimatnationen der Wissenschaftler*innen verwickelt sind. Hat das einen Einfluss auf ihre Zusammenarbeit und Forschung?

  

The Visitor from Taured (letztes Kapitel von „Vortext“)

In meinem Audible-Inhaltsverzeichnis wird es als letztes Kapitel von Vortext angezeigt. Beim Hören habe ich das als eigenständige Geschichte verstanden.

Die Ich-Erzählerin steht total auf Bücher. In ihrer Zeit ist es nicht mehr üblich, echte Paperbacks etc. zu lesen, die meisten lesen eher interaktives Zeug und sind ganz enttäuscht, wenn die Handlung vorgefertigt ist. Ihr Mitbewohner Rob ist Astrophysiker und überzeugt davon, dass es Parallelwelten gibt. Da fällt mir doch gleich das Zitat aus S. Kings „Der Dunkle Turm“ ein, „Es gibt andere Welten als diese“. Mein Lieblingsthema.

Meiner Auffassung nach hat diese Geschichte zwei Ebenen: Erst einmal die offensichtliche, zwei Menschen gehen ihren Weg, zum Teil gemeinsam als Freunde und Geschäftspartner und sind auf dem Weg ihre Träume und Visionen zu verwirklichen. Sie ihre Bibliothek, er sein Projekt zum Beweisen von Parallelwelten. Sie kommt deutlich besser voran als er.

Dann die zweite Ebene: Sie lebt durch das viele Lesen in vielen Welten. Vielleicht habe ich das auch nur hineininterpretiert.

Diese Geschichte ist mein Favorit in der Sammlung, gemeinsam mit der von Ken Liu.

 

The Seventh Gamer (von Gwyneth Jones)

Online-Rollenspiele. Die Ich-Erzählerin ist fasziniert von NPCs (Non-Player-Charakters). Angeblich stecken hinter einigen davon Aliens. Eine Forschungsmission innerhalb des Rollenspiels beginnt. Abgefahren.

Ich kenne mich nur mit Pen und Paper Rollenspielen aus und bin schon von den zeitgenössischen Möglichkeiten des Online-Rollenspiels erschlagen, geschweige denn von denen in der Zukunft.

  

Fieldwork (von Shariann Lewitt)

Hier war ich „Lost in Translation“. Die Oma und die Mutter der Ich-Erzählerin waren in „Europa“, was allerdings nicht der Kontinent war, sondern - wie ich dann zum Glück recht bald erkannte - einer der Monde der Jupiter.

Das ist fast eine Familiengeschichte, die Geschichte der Oma und Mutter damals bei ihrer 27monatigen Expedition auf dem Jupitermond und nun, in der Gegenwart, die Expedition der Ich-Erzählerin. Schön auch, der psychisch labile Zustand der Mutter, die sich nicht auf Mathe konzentrieren kann, wenn sie ihre Medikamente nimmt, daher ist „Vorsicht, Mama macht Mathe“ eine Warnung, die bedeutet: „Sie hatte ihre Medikamente nicht, pass auf was du sagst“.

 

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