Flug und Angst - Anthologie, HG Stephen King

Harte Fakten

Titel Flug und Angst
Autor*innen diverse, u. a. S. King, Joe Hill, Dan Simmons, Ray Bradbury, A. C. Doyle
Erscheinungsjahr 2019
Seitenzahl 448
Anzahl Geschichten 17

Inhalt

Fazit für Eilige

Nicht alle Stories sind überragend. Dafür sind einige dermaßen gut, dass ich sie vermutlich nie vergessen werde. Nicht alle sind unveröffentlicht, einige sind Jahrzehnte oder gar fast ein Jahrhundert alt. Für mich waren alle neu. Ich mochte am liebsten jene mit phantastischem oder SF-Beigeschmack.

 

Als ich dachte, ich hätte nun genug von dem Setting "Person erlebt Stressiges im engen Flugzeug" wurde es dann wieder originell. Gut zusammengestellt.

 

Im Nachwort wird dann klar, warum so viele bereits veröffentlichte Stories dabei sind: Kurgeschichten zum Thema Flug und Angst gibt es deutlich weniger als Filme oder Romane. Wieder etwas gelernt!

 

Nur Bev Vincent, Joe Hill und Stephen King hatten eigens für diese Anthologie Stories verfasst.

 

Vorwort von Stephen King

Ich stehe ja auf seine Vorworte. Interessant auch, dass es hier zu einer Nahtoderfahrung in einer kleinen Maschine gekommen ist, umso interessanter, dass er seitdem weniger Flugangst hat statt mehr.

 

Cargo (von E. Michael Lewis)

Der Ich-Erzähler ist für die Fracht verantwortlich. Er hat einen Haufen Särge geladen, unter anderem von Kindern, die einem schrecklichen Massenmord und Selbstmord einer Art Sekte zum Opfer gefallen sind. Nur zwei lebendige Passagiere sind an Bord: ein Soldat und eine Krankenschwester.

Erst hört der Soldat Stimmen und fröhliches Kindergeschrei, dann die Krankenschwester, dann der Ich-Erzähler. Stimmt etwas mit der Fracht nicht?

Eine solide Gruselgeschichte, die stellenweise sehr tragisch ist, aber mich nicht richtig vom Hocker haut.

 

Das Grauen der Höhe (Arthur Conan Doyle)

Damals war Fliegen noch neu und Fliegen in großer Höhe erst Recht. Daher war es durchaus möglich, dass sich dort Geschöpfe verbargen, die uns noch unbekannt waren und die uns böse gesinnt sind.

Die Story ist solide und hat aufgrund ihres Settings in vergangener Zeit seinen Reiz, aber besonders spannend fand ich sie nicht.

 

Albtraum auf 20.000 Fuß (von Richard Matheson)

Ich finde, Stephen King spoilert ein wenig in seinem kleinen Vorwort zu dieser Story. Das ist schade, denn diese Geschichte hat alles, was man braucht: Sehr viel Spannung, eine gute Idee und frische, detailreiche Beschreibungen im guten Verhältnis zur Action. Das läuft wie ein Film vor dem Auge ab. 

Damals durfte man noch im Flugzeug rauchen und einen Revolver im Handgepäck mitführen. Sonst ist das Setting aber bekannt, wenn man ein paarmal in Passagierflugzeugen geflogen ist, erkennt man die Situation sofort wieder.

 

Die Flugmaschine (von Ambrose Bierce)

Das ist sehr sehr kurz, daher kann ich kaum etwas dazu sagen, ist ein wenig aus der Zeit gefallen.

 

Luzifer! (von E. C. TUBB)

Perfekt! Kein Wunder, dass die einen Preis gewonnen hat. Den Autor muss ich mir merken. Der Protagonist ist ein ausgesprochen unsympathischer Sadist, mit dem man trotzdem irgendwie auf eine distanzierte Art mitfiebert. Er arbeitet zunächst als Assistent in einem Leichenhaus, in dem er einen Ring an einer Leiche findet, den er klaut. Später stellt er fest, dass man durch Klicken auf den Ring 57 Sekunden in die Vergangenheit reisen kann. Das eröffnet Möglichkeiten, auf die ich ganz sicher nicht gekommen wäre. Ich hätte die Zeit wohl nur genutzt, um zu lesen, soviel ich will, wenn ich mal 57 Sekunden alleine für mich habe.

Selbstverständlich spielt der Showdown auch hier in einem Flugzeug. Genialer Plot, toller Schluss! Eine der besten Kurzgeschichten, die ich kenne.

Ich habe daraufhin sofort eine Kurzgeschichtensammlung von ihm gekauft & gelesen, aber diese Story sticht noch immer heraus, die anderen sind solide, aber nicht auf diesem Niveau.

 

Die fünfte Kategorie (von Tom Bissell)

Der Protagonist, ein Anwalt, ist auch eher bedingt sympathisch. Legt er doch Gesetze so aus, dass Foltern ermöglicht, um Informationen zu erlangen. Das macht ihn auch durchaus nicht beliebt bei einigen Gruppierungen oder Ländern. 

Aber warum wacht er auf dem Rückflug plötzlich auf und ist alleine im Flugzeug? Ist er in Kings "Langoliers" gefangen? Die waren aber ja immerhin nicht komplett alleine.

Für mich persönlich interessant: Einige Szenen spielen in Tallinn, ich erkenne sogar das Restaurant wieder, das er beschreibt.

 

Zwei Minuten fünfundvierzig Sekunden (von Dan Simmons)

Protagonist ist ein extrem guter Entwickler. 2:45 dauert es, bis er auf den Boden aufprallt, wenn das Flugzeug abstürzt. Er hat aufgrund eines Erlebnisses im Vietnamkrieg Flugangst. Die Story hat mir persönlich weniger gut gefallen.

 

Diablitos (von Cody Goodfellow)

Die ganzen ersten 80% der Story sind ziemlich cool. Der Protagonist schmuggelt etwas aus Costa Rica in die Staaten, eine Maske eines angeblich ausgestorbenen Indigenen-Stamm (an der Grippe ausgestorben, gruselig). Im Flugzeug sitzt dann ein blindes Mädchen neben ihm, das zudem auf sein Spanisch nicht reagiert. 

Am Ende wird alles dann doch für mich sehr waghalsig, wenn auch streng genommen konsequent und nachvollziehbar. Außerdem kam ich mit Realität und Traumszenen durcheinander.

 

Luftangriff (von John Varley)

Das ist bisher gemeinsam mit den Stories von E.C. Tubb und Joe Hill locker die beste Story in diesem Band. Alleine schon wegen dieser drei hat sich der Kauf total gelohnt. Stephen King schreibt in seinem Vorwort zu dieser Kurzgeschichte, dass Varley einer der wenigen Autor*innen sei, der sowohl einen tollen Stil habe, als auch extrem gute Ideen. Hundertprozentige Zustimmung. Ich würde irre gern sagen, worum es geht, weil ich die Idee und die Umsetzung fabelhaft finde. Ein wenig rätselte ich bis zum Schluss, daher will ich nicht spoilern. Es ist eine Zukunftsdystopie mit Hoffnung an unvermuteter Stelle, die das Thema Zeitreisen tatsächlich noch einmal von einer mir bisher unbekannten Stelle beleuchtet.

 

Freigabe erteilt (von Joe Hill)

Hier gibt es sogar Cockpitdialoge. Ich dachte, ich hätte die Nase schon fast ein wenig voll von den sich doch allmählich ähnelnden Szenen in den beengten Flugzeugen, aber ich habe mich geirrt: Es muss nur gut gemacht sein. In diesem Stil könnte ich ein paar hundert oder tausend Seiten in diesem Setting gut vertragen.

Außerdem ist diese Story neu, extra für die Anthologie erstellt und man spürt auch die Aktualität.

Die Geschichte ist dermaßen gut, vor allem aufgrund der Figuren, dass ich sie am liebsten gleich nochmal lesen würde.

 

Kriegsvögel (von David J. Schow)

Der Protagonist sucht nach und nach all die Kriegskollegen seines verstorbenen Vaters aus und trifft dabei auf einen sehr alten Mann, der ihm vom Kriegsgefecht berichtet - sehr detailliert - und von dem, was er Kriegsvögel nennt. Eher melancholisch, möglicherweise doppeldeutig. Hat mir gut gefallen.

 

Die Flugmaschine (von Ray Bradbury)

Das liest sich wie ein modernes Märchen und ist ehrlich gesagt ein wenig seltsam. Spielt 400 nach Christus in China. Liegt mir nicht so.

 

Zombies im Flugzeug (von Bev Vincent)

Hat mir Spaß gemacht. Setting wie bei Walking Dead - inklusive der Tatsache, dass man selber zu einem Zombie wird, nachdem man gestorben ist, ganz egal woran man stirbt. Der Schluss ist sehr gelungen.

 

Alt werden sie nicht (von Roald Dahl)

Sehr authentisch und für Roald Dahls Verhältnisse versöhnlich. Ich hatte ja ein wenig Angst vor dem Schluss, bei Dahl kann man nie wissen. Eine schöne Geschichte über den Tod oder das Sterben.

 

Mord im Himmel (von Peter Tremayne)

Sehr gut. Jemand stirbt. In der Flugzeugtoilette, die von innen verriegelt wird. Selbstmord ist es nicht. Zum Glück sind zufällig ein Pathologe und ein Krimologe an Bord. Kompakter Krimi, der beweist, dass kurze Krimis sehr unterhaltsam sein können.

 

Ein Fachmann für Turbulenzen (von Stephen King)

Solide Story, nette Idee. Ich sage aber mal: Diesmal hat der Sohn den Vater geschlagen. Die Charaktere in der Geschichte von Joe Hill gingen mir viel näher. Trotzdem lesenswert.

 

Im Fall (von James Dickey)

Ich kann einfach keine Gedichte lesen. Sobald etwas in Versform gedruckt ist, schwirren meine Augen in den Überfliegmodus. Daher kann ich zur Qualität nichts sagen. Das Thema ist aber krass: Eine Stewardess fällt aus dem Flugzeug und hat einen langen Weg zum Boden vor sich.

 

Nachwort: eine wichtige Duchsage aus dem Cockpit (von Bev Vincent)

Hat die Anthologie gut abgerundet und einige Dinge nochmal klar gemacht.

Im Anschluss erfolgen die Vitas der Autor*innen. (Wobei keine einzige Frau dabei ist, schade. Auch Bev Vincent ist ein Mann.)

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