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Der Report der Magd von Margarete Atwood

Harte Fakten

Titel Der Report der Magd
Autor*in Margarete Atwood
Erscheinungsjahr 1985
Seitenzahl 400

Inhalt

Das Buch wurde mir schon vor Monaten empfohlen. Eine Freundin schaut die Serie, da wurde ich aber bereits nach einer halben Minute von dem düsteren Setting abgeschreckt und brach ab.

 

Als ich merkte, dass es das Buch schon seit 35 Jahren gibt und es eine Dystopie beschreibt, siegte dann doch meine Neugier und ich nahm es mir vor. Die erste Hälfte habe ich dann innerhalb von 24 Stunden verschlungen.

 

Diese Dystopie ist wahnsinnig düster. Die meisten wissen wohl, worum es geht, die anderen möchte ich aber nicht spoilern. Der Roman ist so irre gut aufgebaut, dass ich mich als Leserin langsam ahnend vortaste und meine Fragen nach und nach beantwortet sehe:

Was ist passiert?

Welche Aufgabe hat die Ich-Erzählerin in ihrem Haushalt?

Welche Regeln gibt es und was geschieht, wenn man sie nicht einhält?

 

Es wird auf so kunstvolle Art und Weise entblättert, dass ich nur anerkennend nicken kann und sage: Ja. Genau so möchte ich das lesen. Das hält mich bei der Stange. Obwohl eigentlich gar nicht so viel passiert, ist es so spannend, dass es mir lange, lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Dazu die Sprache: Punktgenau. Jedes Wort ein Treffer. Dabei habe ich hier sogar die Übersetzung gelesen. Es wird viel beschrieben, und dabei stets das Besondere, so dass es keineswegs paragraphenweise Beschreibungen gibt, die mich in der Handlung aufhalten, sondern nur ein paar wenige Details, die dann so gut sitzen, dass sich für mich ein Gesamtbild ergibt. Was für ein Kunstwerk!

 

Abgesehen mal davon, dass mein eigenes Leben mir gleich wunderschön und perfekt erscheint. Welch Freiheit! Ich habe an meinen ersten beiden Lesetagen gleich meine Kinder mehr geherzt und geküsst und sie mit verbalen Schmusereien beglückt, weil ich dachte: Puh, habe ich es gut, ich habe sie, ich darf bei ihnen sein.

Außerdem habe ich jetzt Lust auf Scrabble.

 

Die erste Hälfte des Romans hat mir besser gefallen, obwohl in der zweiten mehr geschieht, einige Fragen beantwortet werden, sich einige Kreise schließen. Dennoch: Das Ungewisse des Anfangs war für mich persönlich spannender. Ähnlich ging es mir mit der Dystopie "Im Land der letzten Dinge", zwar vom männlichen Autor Paul Auster, aber mit weiblicher Ich-Erzählerin Anna Blume. Das war ähnlich düster und vage zu Beginn, wurde sogar noch weniger aufgelöst auch zum Ende hin als "Der Report der Magd".

 

Den Nachfolger "Die Zeuginnen" habe ich bereits gekauft und bin gespannt.

Die Serie schaue ich auf keinen Fall noch während ich stille und leicht heule!

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