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Das Geisterhaus von Isabelle Allende

Harte Fakten

Titel Das Geisterhaus
Autor*in Isabelle Allende
Erscheinungsjahr 1982
Seitenzahl 501

Inhalt

Mitte der Neunziger sah ich - damals  sechzehn Jahre alt - den Film und war fasziniert von den starken Frauenfiguren und dem eher cholerischen, aber nicht komplett unsympathischen Esteban Trueba, der weder so recht Protagonist noch Antagonist sein mochte.

 

Das Buch bietet deutlich mehr Plotwendungen, Details und Nebenhandlungen. Obwohl es nicht übertrieben dick ist, wurde mir bald klar, dass der Film nur etwa ein Viertel des Buchs beinhaltet: Es fehlt eine gesamte Generation und die Kinder von Clara del Valle und Esteban Truebe wurden von drei auf eins gekürzt. Als Clara im Buch nach Blancas Geburt erneut schwanger wird, dachte ich beim Lesen zuerst "Na, das wird ja dann wahrscheinlich nichts" und war überrascht, als sie sogar Zwillinge zur Welt brauchte. Jaime und Nicholas werden zwar selber keine Väter, leben aber doch locker dreißig bis vierzig Jahre lang.

 

Was im Film alles Blanca, der Tochter von Esteban und Clara passiert, passiert im Buch teilweise ihrer Tochter Alba. So gelingt es dem Film zwar, die Hauptstränge zu vermitteln, das Buch ist aber dennoch um einiges komplexer und facettenreicher.

 

Wer den Film kennt, aber nicht das Buch, verpasst zum Beispiel folgende Nebenstränge:

 

Nicolas hat eine Freundin, Amanda, in die heimlich auch sein Bruder Jaime verliebt ist. Jene wiederum hat einen kleinen Bruder, Miguel. Miguel beobachtet als kleiner Junge mit Abscheu die Geburt Albas aus einem Wandschrank heraus. Nichtsdestotrotz wird er später Albas Liebhaber.

 

Nicolas tritt einer aisatischen Sekte bei und rasiert bei Gelegenheit Alba das Haar ab und bringt ihr Meditieren bei (Omm!).

 

Der sympathische Vorarbeiter aus dem Film, der der Vater von Pedro Secundo (gespielt von Antonio Banderas) ist, hat im Buch noch einen Vater. Dieser ist dazu in der Lage, bei Katastrophen zu helfen, so setzt er Esteban Trueba nach einem Unfall wieder zusammen, als dieser viele Knochen im Leib gebrochen hat. Außerdem besiegt er eine sehr detailreich dargestellte Ameisenplage auf originelle Art und Weise.

 

Nebenher erfährt man noch einiges über den Militärputsch in Chile, die Zeit davor und danach. Durch die Figur Clara bekommt der Roman etwas leicht phantastisches, das sich sicherlich im "magischen Realismus" ansiedeln lässt, das in südamerikanischer Literatur verbreitet ist.

 

In der Übersetzung kommen die Dialoge ein wenig seltsam daher, weil in Südamerika die jungen Leute ihre Eltern siezen. Der Roman nutzt Dialoge aber sowieso recht sparsam, weshalb das nicht weiter stört.

 

Ich habe andere Bücher von Allende gelesen, das Geisterhaus ist nach wie vor mein Favorit und ein großes Stück Literatur. Das Buch ist zum Teil autobiografisch geprägt, bei wikipedia ist das gut analysiert.

 

Dass ich das Buch schon verschlang, bevor ich zwanzig wurde, zeigt, dass es spannend ist. Das mehrmalige Wiederlesen hat mir gezeigt, dass ich immer wieder schöne neue Details entdecken kann. Während meines Spanischstudiums hatte ich mich auch mal an die Originalsprache gewagt, was wohl nur deshalb geklappt hat, weil ich das Buch bis dahin teilweise auswendig konnte.

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