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Hier sangen früher Vögel von Kate Wilhelm

Harte Fakten

Titel Hier sangen früher Vögel
Autor*in Kate Wilhelm
Erscheinungsjahr 1976
Seitenzahl 280

Inhalt

Es beginnt irgendwie ganz normal - oder halbwegs normal: David Summers liebt seine Kusine Celia. Was wie eine interessante Familien- und Liebesgeschichte beginnt, ändert nach nur zwei Kapiteln für mich fast etwas zu aprupt die Richtung. Grippewellen, Ausbruch der Pest, Ernteprobleme, Kraftstoffknappheit - plötzlich sind 70% der Menschen tot und es gibt keine Kinder mehr unter acht Jahren.

 

Die Männer werden unfruchtbar, die Frauen erleiden Todgeburten. Wenn keine Lösung für den fehlenden Nachwuchs gefunden wird, muss die Menschheit aussterben.

 

Protagonist David treibt das Klonen voran - und einige Monate später gibt es von allen seinen Familienmitgliedern vier bis fünf neue Versionen, auch von sich selber und auch von seiner Liebe Celia.

 

Die Klone empfinden sich selber als andere Spezies. Da sie normalerweise in fünffacher Ausführung herumlaufen, ist ihr anderes Selbstverständnis wohl nicht weiter verwunderlich.

 

Im zweiten Teil gibt es plötzlich recht viele Personen und es fällt mir schwer, den Überblick zu behalten und ebenfalls, genügend Empathie mit den Figuren zu entwickeln. Im zweiten Teil schwächle ich und muss eine Pause von ein - zwei Wochen machen. Das liegt wohl auch an den vielen Namen und dass ich eine Weile brauche, um einordnen zu können, wer hier zu welchem "Wurf" gehört. Es ist aber auch definitiv so, dass dieser Roman keine leichte Kost ist und emotional und intellektuell einiges von mir als Leserin abgefordert wird.

Danach komme ich wieder rein und werde sofort wieder gefesselt.

Ich begreife - offenbar verspätet - dass Molly und Ben Klone von David und Celia sind (genau wie viele andere auch) und beide ein Bedürfnis nach Individualität entwickeln, vor allem Molly. Das ist aber gar nicht erwünscht. Molly wird zur Ausgestoßenen, wird aber versorgt. Sie ist schwanger - von Ben. Mütter und Kinder werden aber eigentlich konsequent nach der Geburt getrennt - schwer zu ertragen für mich. Molly behält aber Mark und es gelingt ihr, seine Existenz ganze fünf Jahre geheim zu halten.

 

Im dritten Teil geht es dann um Mark. Die Klone sind unfähig, Visionen zu entwickeln oder Kreativität. Man braucht "neue Menschen" wie Mark, um gewisse Probleme lösen zu können. Doch es ist schwer für Mark, mit den Klonen zu leben und umgekehrt ist es ebenso schwer, so groß sind die Unterschiede.

 

Die Themen sind sehr schwer und tief. Es ist ein Buch, das man nicht mal so nebenher lesen kann. Da steckt unglaublich viel zwischen den Zeilen. Eine Welt wird entworfen, die emotional schwer zu ertragen ist. Die Identifikationsfiguren sind stark und wären wohl froh, würden sie in unserer Welt leben.

 

Ich kann nicht ständig so etwas lesen, das wäre mir zu düster und auch zu gehaltvoll. Nach so einem Roman muss ich mich erstmal bei Agatha Christie erholen. Aber in regelmäßigen Abständen möchte ich auf jeden Fall so etwas lesen - das erweitert meinen Horizont ganz ungemein.

 

Eine knackige Zusammenfassung des Lebens der Autorin und einige konkrete Empfehlungen zum Weiterlesen habe ich übrigens auf dem Buchwurm-Blog gefunden. Da habe ich mir gleich drei neue Büchern von ihr auf die Merkliste gesetzt.

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