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Die Suche nach der Vorherbestimmung von Boris Strugatzki

Harte Fakten

Titel Die Suche nach der Vorherbestimmung 
Autor*in Boris Strugatzki 
Erscheinungsjahr 1994 
Seitenzahl 476 

Inhalt

Das war das einzige Buch, das es von einem der Strugatzki-Brüder bei der Onleihe gab. Sonst hätte ich sicher zuerst "Picknick am Wegesrand" oder eines der anderen Bücher gelesen, die er mit seinem Bruder Arkadi gemeinsam geschrieben hat. 

 

Das wäre wohl auch besser gewesen. Bei diesem Roman fesselten mich zwar die Charaktere Stanislaw Krasnogorow und sein Freund Vikonte schon auf Seite zwei - auf Seite fünfzig aber blätterte ich zurück zum Klappentext, um zu prüfen, ob ich wirklich ein Science Fiction Buch ausgeliehen hatte. Und ob es wirklich DER Strugatzki war und nicht ein Namensvetter.

 

Phantastisch wird das Buch irgendwie erst auf den letzten hundert Seiten. Da aber dann gleichzeitig so absurd, dass ich überhaupt nicht mehr mitgekommen bin. Vorher ist es auch schon schwierig, was aber eher an meiner mangelnden Vorbildung liegt. Einiges ergibt sich aus meiner Nationalität - natürlich gehen die russischen Zitate über meinen Kopf und ich kenne die Kinderlieder nicht, die eingebaut wurden. Mit dem russischen Geheimdienst kenne ich mich wenig aus. Kein Wunder, dass ich teilweise den Eindruck hatte, ich lese ein Werk aus der DDR, da die Atmosphäre mir teilweise ganz ähnlich schien mit dem Bespitzeln und dem Verhören und dem Anspruch, alles anti-sowjetische zu eliminieren. 

 

Dabei ist das Buch eigentlich nicht vorrangig politisch. Es geht mehr darum, dass Stanislaw bereits 23 Mal dem Tod knapp entronnen ist - dafür sind mindestens zehn Menschen, mit denen er näher zu tun hatte, spontan der Schädel explodiert. Bei dieser leisen phantastischen Komponente bleibt es, wie gesagt, recht lang, bis auf das letzte Viertel des Romans, zu dem ich nichts sagen kann, da ich völlig verloren war und mich nicht mehr zurechtfand.

 

Vorher war ich durchaus gefesselt. Besonders lesenswert fand ich beispielsweise folgendes:

Stanislaw verfasst einen Roman, "Der glückliche Junge", der recht autobiografisch ist. Er gibt es drei Leuten zu lesen. Einer ist nicht begeistert. Seine Angebetete Larissa findet es wunderbar. Um das Urteil seines Freundes Vikonte bangt er dann so sehr, dass er kaum mehr weiß, wohin, bis Vikonte ihn endlich am folgenden Abend einlädt und ihm eröffnet, er fände sein Werk fantastisch. Stanislaw schickt das Manuskript ein und eine Zeitschrift ist bereit, es zu veröffentlichen. Wenn er kürzt. Nun, kürzen ist ja recht normal. Aber er soll fünfzig Seiten kürzen. Von 230 Seiten fünfzig Seiten kürzen?, fragt er zweifelnd. Nein, auf fünfzig Seiten kürzen. Es sei kein Roman, sondern eine Erzählung. Uff. Da konnte ich richtig mitfühlen. 

 

Später, als seine Frau mit Ende dreißig schwanger wird und in zweieinhalb Sätzen sehr plötzlich ihr tragisches Ende geschildert wird, bin ich dann doch sehr schockiert. Wie jetzt? So schnell? Ohne Einleitung? Kurz, und, für mich als Leserin, schmerzhaft?

 

Beim Googeln finde ich heraus, dass eine phantastische Satire sein soll. Beim Sprechen mit einem Freund, der viel von den Strugatzkis gelesen hat, erfahre ich, dass die Lektüre der Brüder nie so einfach und auf der Hand liegend sei.

 

Die historischen Hintergründe in diesem Roman sind mir einigermaßen fremd: die Blockade Leningrads und die Verfolgung der russischen Intelligenzia. Ein Artikel des Deutschlandfunks räumt außerdem ein, dass das Buch doch sehr russisch sei. So richtig viele Russen habe ich noch nicht gelesen - ein kleiner Start bei Tolstoi, ein wenig Dostojewski, zwei angefangene Science-Fiction Romane und Lolita. Es ist nicht der Roman, dem es mangelt, es mangelt bei mir. Ich versuchte, die elfte Klasse zu schaffen, bevor ich die Grundschule abgeschlossen hatte. Vermutlich werde ich zu diesem Buch zurückkehren, wenn ich mich dem Stoff gewachsen fühle. 

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