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Empörung von Philip Roth

Harte Fakten

Titel Empörung (im Original: Indignation)
Autor*in Philip Roth 
Erscheinungsjahr 2008 
Seitenzahl 208 
Länge Hörbuch 5 Std. 40 Minuten 
Sprecher*in Joachim Schönfeld 

Inhalt

Das ist ein schmales, kurzes Buch. Ob es sich als Erstkontakt zum Autor eignet, entscheide ich unten im Fazit. Für mich war es der dritte Kontakt. Ich finde die anderen beiden Bücher, die ich gelesen bzw. gehört habe, beide besser: Exit Ghost und Amerikanisches Idyll - beides Zuckerman-Romane. In "Empörung" gibt es leider keinen Zuckerman, sondern einen achtzehnjährigen Sohn eines jüdischen, koscheren Metzgers namens Marcus.

 

Ich habe "Empörung" ausgewählt, weil es einer der wenigen Romane von Roth ist, den es bei Audible als ungekürztes Hörbuch gibt. 

 

1951. Korea-Krieg. Ein jüdischer Metzger hat Angst um seinen Sohn. Nicht ganz zu Unrecht, schließlich könnte dieser einzogen werden. In Marcus' Kopf würde ein Einzug in den Krieg sogar seinen sicheren Tod bedeuten. Wir erfahren auch recht schnell, dass der Ich-Erzähler mit neunzehn sterben wird und seine Geschichte quasi posthum erzählt. Allein nur mit seinen Gedanken und seinen Erinnerungen in einer Art Zwischenwelt, von der er nicht weiß, ob sie die Ewigkeit bedeutet oder lediglich eine Art Zwischenstopp (dies wird am Ende näher erklärt). 

 

Recht neutral und aufgeräumt berichtet Marcus von der letzten Zeit in seinem Elternhaus und seinem ersten Jahr am College - bzw. an zwei Colleges, denn er wechselt recht bald. Einiges an Marcus ist sehr sympathisch und wäre heutzutage ganz normal. Doch Anfang der fünfziger Jahre kommt er als Atheist nicht sehr gut an. Zu modern und fremd sind seine Gedanken. Er weiß genau, was er will: Ein erfolgreicher Anwalt werden. Anders als sein Vater möchte er sein Leben nicht damit bestreiten, Hühnern mit einem gezielten Messerschnitt den Hals zu durchschneiden, damit sie als koscher gelten. 

 

Marcus eckt an - bei seinem Dekan, seinen Kameraden. Marcus verliebt sich. Ob dies nur dadurch geschieht, dass seine Angebetete, Olivia, ihm gleich nach dem ersten Date mit ihrem Mund beglückt, wird nicht ganz klar. Für einen Mann seines Alters fände ich es aber auch nicht verwerflich, wenn genau dieser Umstand eine bedeutende Rolle bei seinen Gefühlen spielt. 

 

Empörung ist das drittletzte Werk von Roth (2008), was insofern interessant ist, dass der Ich-Erzähler hier so jung ist. Ganz anders als bei "Exit Ghost" (2007), einem recht betagten Ich-Erzähler (Zuckerman), geschrieben von dem damals ebenfalls schon recht betagten Roth. Ich finde auch, dass Marcus recht reif klingt. Reifer, als ich mich mit zweiundvierzig fühle, und ganz sicher reifer als ich mit achtzehn war. Trotzdem begleite ich Marcus recht gern und finde seine Reife angesichts seines frühen Todes nur fair. Außerdem steigert es meine Spannung, früh zu erfahren, dass Marcus bald stirbt. Ich frage mich: Wie wird es passieren? Wird es ich dennoch treffen? Wird es mich überraschen? Letztendlich fand ich den Schluss sehr plausibel und deutlich weniger im Bereich der Phantastik, als ich zuerst angenommen hatte.

 

Fazit

Ich würde es nicht zuerst lesen. Die beiden Zuckerman-Romane, die ich bisher von Roth gelesen habe, fand ich besser. Aber wenn man, wie ich, eh schon dabei ist, sich mit Roths Werk zu beschäftigen, kann ich dieses echt schmale Buch doch empfehlen. Es trifft doch das Gefühl der damaligen Zeit in den USA sehr gut und liest sich heute fast fremdartig, heute, da sich junge Menschen ganz normal in ihren Zimmern treffen können und Blowjobs genießen so viel sie wollen (jedenfalls da, wo ich herkomme). 

 

Der Sprecher

Nun, manchmal klingt er mir tatsächlich zu empört, zu temperamentvoll. Ich hätte es lieber etwas ruhiger gehabt. Doch ich kann ihm sehr gut zuhören.

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