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Wohin mit Kurzgeschichten? Teil 1: Literaturzeitschriften

Reihe: Kurzgeschichten veröffentlichen

Da ich immer mal wieder Ausschreibungen, Wettbewerbe, neue Magazine u. ä. finde, habe ich mich entschieden, eine Reihe daraus zu machen.

 

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Kurzgeschichten wird man ja nirgends los

Nach einer längeren Schreibpause habe ich wieder begonnen und stellte mir die Frage:

Wohin jetzt damit?

 

Ich habe nicht den Roman in der Schublade, für den ich nun eine Agentur oder einen Verlag suchen kann. Ich habe Kurzgeschichten. Diese sind auch mehr meine Stärke, wie ich nun nach jahrzehntelanger Schreiberei getrost sagen kann.

 

Zu meiner aktiveren Zeit vor und während des Studiums war ich unorganisiert, habe aber trotzdem ein paar Kurzgeschichten platzieren können. Inzwischen habe ich ein Studium vollendet und mich in einen Beruf eingearbeitet, außerdem eine Familie gegründet.

Ich bin Einreichungen, Deadlines und Überarbeiten von Texten beruflich gewohnt (auch wenn das natürlich Nonfiction ist). Ich werfe mich heute also viel besser sortiert erneut in die Szene.

 

Erster Schritt: Uschtrin-Verlag und Wettbewerbe

Zwar hatte ich auch früher bereits an Wettbewerben teilgenommen, aber nie gewonnen. In Anthologien und vor allem in Fanzines habe ich seit 1996 regelmäßig Kurzgeschichten veröffentlicht und fragte mich, wie eigentlich die Szene heute aussieht.

Die Legendensänger-Edition, in der ich damals viel veröffentlicht hatte, wurde 2007 eingestellt, ist also leider keine Option mehr.

 

Zweiter Schritt: Das Handbuch für Autorinnen und Autoren gekauft

Alle Literaturzeitschriften durchforstet, die passend erscheinenen angekreuzt und danach im Internet gesucht. Fazit: Viele suchen derzeit keine Texte und haben das auch gut ausgeschildert. Ein paar andere Webseiten sind mittlerweile nicht mehr erreichbar, einige der Literaturmaganzine wurden eingestellt.

 

Wenige verblieben, diese habe ich sinnvollerweise bestellt, um zu schauen, ob meine Texte dort hinein passen.

Die Arcana und die phantastisch! habe ich ja hier schon rezensiert. Anbei ein kürzerer Überblick über die restlichen Zeitschriften, mit denen ich mich beschäftigt habe.

Hammer + Veilchen

Steckbrief

Erscheint: Seit 2013

Erscheinungsturnus: 4x im Jahr

Einreichungen möglich: ja

Erscheinungsform: eBook, die Jahrbücher scheint es auch als "richtiges" Buch zu geben

Umfang: ~464 Seiten

Umfang Stories: In der von mir erworbenen Ausgabe Nummer 20 waren es 12 Geschichten von neun verschiedenen Autor*innen.

Erfahrungsstand der Autor*innen: Die meisten hatten in Nummer 20 nicht ihren ersten Auftritt. Einige haben bereits Romane veröffentlicht. Die meisten sind so zwischen 1950 und 1970 geboren.

 

Der absolute Vorteil ist, dass man wirklich leicht an eine Ausgabe kommt. Via der Webseite kommt man für 0,49 Euro an die Ausgabe für den Kindle oder den Tolino.

 

Ich konnte die Geschichten alle gut lesen und verstehen (was nicht für alle hier besprochenen Zeitschriften gilt!) und eines ist mir besonders positiv aufgefallen: Die Anfangssätze sind wirklich stark. Hier einige Beispiele:

 

Aus "Wie der Kopf einer Schlange" von Wolfgang Denkel:

"Seit sie denken könnte, hatte sie Angst gehabt vor Wörtern."

 

Aus "Entleerte Illusionen" von Andreas Greve:

"Nicht ohne Grund hießen Mülltonnen einmal Ascheimer, weil sie ohne zu schmelzen heiße Glut aufnehmen konnten."

 

So stark der Anfang vieler Geschichten ist, so sehr fehlt mir bei vielen die Pointe. Sollten Kurzgeschichten keine Pointen haben? Sicher ist es nicht so sehr notwendig wie bei einem Witz, aber besser wäre es doch, oder?

 

Was mich dann allerdings verwirrt, ist, wie wenig szenisch einige der Geschichten sind, obwohl der Inhalt dies anbietet und es die Geschichten zumindest für mich persönlich unterhaltsamer machen würde.

Wörtliche Rede gibt es auch nur in einer der Geschichten wirklich viel, ansonsten wird narrativ zusammengefasst oder bestenfalls indirekte Rede geschildert (Beispiel aus Katharina Körtings "Existenzen": "Ob ich eine ihrer Postkarten haben möchte? Ich frage nach dem Preis. Drei Euro.") Selbstverständlich kann man das so machen, ich persönlich lese das nur weniger gern, und, was noch wichtiger ist: Ich möchte so nicht schreiben.

 

Einer der wenigen Texte in Ausgabe 20, der komplett szenisch und mit viel Dialog daherkommt ist "Autor Normalverbraucher" von Jörn Birkholz. Er verwendet zwar keine Anführungszeichen, es ist aber trotzdem klar, wenn jemand spricht. Hier immerhin gibt es dann auch eine Pointe.

 

Mona Ullrich in "Novembernacht" verwendet wörtliche Rede, unmittelbare Szenen und sogar Anführungszeichen.

 

Fazit: Beim Lesen dachte ich, dass es vielleicht nicht ganz so zu mir passt. Nun, nachdem ich noch ein paar andere gelesen habe, denke ich, dass sie vielleicht von den nicht-phantastischen Zeitschriften sogar noch am Besten zu mir passt. Ich werde mal wieder eine Ausgabe bestellen, ein paar andere Geschichten lesen und darüber nachdenken.

Fantasia: Phantastischer Bücherbrief

Erscheint: seit 1966, seit 1978 im Verein, seit 2017 nur noch als eBook (mehr zur Geschichte)

Erscheinungsturnus: ~einmal in der Woche

Einreichungen möglich: ja (Modalitäten hier)

Erscheinungsform: eBook

Umfang: ~100 Seiten

Umfang Stories: Unterschiedlich, mal eine Handvoll, mal nur Rezensionen

Erfahrungsstand der Autor*innen: Angeblich sind das alles Amateure, ich fand die Kurzgeschichten, die ich bisher gelesen habe, eher recht professionell und sehr spannend.

 

Fantasia erscheint kostenlos im edfc (Erster Deutscher Fantasy Club).

 

Die Rezensionen sind von außerordentlich hoher Qualität und unterhaltsam zu lesen. Alleine schon das lohnt sich. Auch die Kurzgeschichten sind eher klassisch: Spannend, coole Plots, es geschieht etwas, die Heldin/der Held ist in echter Gefahr etc.. Wie manchmal in der Fantasy gibt es unaussprechliche Namen.

 

Ich hatte ursprünglich überlegt, ob ich Rezensionen für die Fantasia schreiben sollte. Nur auf Fantasy wäre ich nicht einmal beschränkt, ich habe z. B. auch eine Rezension zu einem Hercule Poirot-Roman dort gelesen. Vorerst hatte ich mich dagegen entschieden, was aber nicht heißt, dass ich diesen Weg nicht doch noch mal einschlagen möchte (wenn sie mich lassen).

 

Auch wenn sie das nicht konkret so schreiben, würde ich vom Gefühl her sagen, dass eine eingereichte Kurzgeschichte sich schon im weitesten Sinne mit Fantasy auseinandersetzen sollte. Eine Kurzgeschichte ohne jedes phantastische Element würde ich wohl eher nicht einreichen.

 

Ansonsten steht die Chance gut, dass eine Kurzgeschichte abgedruckt wird. Um ein gutes Lektorat muss man sich aber wahrscheinlich vorab selber kümmern, denn die Herausgeber*innen haben gut zu tun und arbeiten ehrenamtlich. Na, das tun vermutlich die meisten, die ein Magazin herausgeben, aber da die Fantasia wöchentlich erscheint, denke ich, dass der Workload hier ein wenig höher ist.

Edit Literaturzeitschrift

Erscheint: seit 1993

Erscheinungsturnus:

Einreichungen möglich: ja

Erscheinungsform: Gedruckt, 9 Euro

Umfang: ~128 Seiten

Umfang Stories: 6 - 20 Seiten

Erfahrungsstand der Autor*innen: Eher hoch, einiges ist auch übersetzt.

Webseite: https://www.editonline.de/

 

Nun, dies ist mein persönlicher Blog mit meiner persönlichen Meinung. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich auf der Suche nach Zeitschriften bin, zu denen meine Kurzgeschichten passen kann ich getrost sagen: Das passt nicht. Ich habe in der aktuellen Ausgabe nur eine Geschichte ("Die anderen lieben dich immer" von Maurice Carlos Ruffin) gefunden, die ich wirklich verstanden habe - oder vermutlich verstanden habe. Und die war in der zweiten Person Singular Präsenz geschrieben. Genau. Zweite Person Singular Präsenz. Du stehst. Du sagst. Du machst.

Das ist gewöhnungsbedürftig.

Immerhin hatte die Geschichte einen Plot, sogar einen Sinn, der mir eingeleuchtet hat.

 

Die erste Geschichte in dem Heft ("Häutungen" von Jonas M. Mölzer) bot in meinem Kopf so viel Entfaltungspotenzial. Mann geht mit Partnerin im Eis spazieren, irgendwo ein See, überall tote Tiere. Es ist bitterkalt. Zwischendurch für mich schwer nachvollziehbare Reflektionen, dann wieder szenisch, sie gehen durchs Eis, setzen sich in ein Boot. Was kann alles passieren? Verlaufen, Kentern, erfrieren, verhungern. Aber: Es geschieht rein gar nichts. Bzw. es geschieht zwar etwas, und zwar Oralsex, und das kann ich nicht nachvollziehen. Ich dachte, es sei dort arschkalt? Irgendwie hat mich die Geschichte nicht mitgenommen. Mag an meiner praktisch veranlagten Persönlichkeit liegen.

 

Die zweite Geschichte ("Staub" von Can Xue), aus dem chinesischen übersetzt, ist aus der Sicht eines Staubpartikels geschrieben. Sehr originell. Verstanden habe ich die Geschichte leider nicht zur Gänze. Das kann natürlich auch alles immer sehr an mir liegen. Trotzdem, ich suchte ja nach Zeitschriften, die zu meinen Geschichten passen und die Antwort lautet hier klar Nein. Einige von euch finden da vielleicht eine gute Veröffentlichungsmöglichkeit.

Veilchen

Erscheint: seit 2003

Erscheinungsturnus: 4x im Jahr, im Januar, April, Juli und Oktober

Einreichungen möglich: Ja, bis zu vier Seiten

Erscheinungsform: eBook und Druckausgabe für 3,50 Euro/Stück

Umfang: ~ 21 Seiten

Umfang Stories: laut Webseite Kurzgeschichten bis 4 Seiten willkommen

Erfahrungsstand der Autor*innen: Viele sind unerfahren und veröffentlichen beim Veilchen zum ersten Mal, aber es gibt auch Stammautoren, die schon lange dabei sind.

Webseite: http://www.geschichten-manufaktur.de/

 

Mein Versuch, an die Zeitschrift Veilchen als eBook heranzukommen war erst einmal nicht ganz einfach. Die älteren Ausgaben sind kostenlos im Archiv, ich wollte aber eine aktuelle Ausgabe. Netterweise hat mir Andrea Herrmann gegen Rechnung ein PDF zukommen lassen, so dass ich es auf meinem Tolino lesen kann.

 

Die Rezensionen sind in mehrerlei Hinsicht spannend. Teilweise werden die gleichen Bücher besprochen wie in der Fantasia. Es wird hier allerdings deutlich mehr vom Inhalt verraten, also ggf. die Rezension nicht zu Ende lesen. So kann ich mich gleich gut orientieren, ob das Buch etwas für mich ist. Außerdem wird hier Phantastik und SF gelesen, was gleich vielversprechend ist, vermutlich werde ich hier keine Essays lesen, denen ich nicht folgen kann.

 

Das Lesen der Kurzprosa verstetigt meinen ersten Eindruck: Ja, hier geht es lebendig zu. Lyrik gibt es auch. Eigentlich sogar hauptsächlich Lyrik - jedenfalls in Ausgabe 69 - und eher wenig und sehr kurze Prosa.

Eine Aufstellung von Wettbewerben gibt es auch, allerdings sind mittlerweile die allermeisten schon gewesen. Vielleicht sollte ich mir Nr. 70 deutlich schneller besorgen.

Sonstige: Schreibkraft & Am Erker

Ich habe auch versucht an die "Schreibkraft" zu kommen, Heft 34 und Heft 35 sind auch schon erschienen, nur ist die Webseite nicht ganz aktuell, da diese zurzeit überarbeitet wird, wie mir Hannes Luxbacher via Email mitteilte.

Die Zeitschrift klingt nämlich tatsächlich sehr vielversprechend, vor allem deshalb, weil jede Ausgabe unter einem Thema steht, das hat für mich die Qualität einer Ausschreibung. Leider kenne ich das Thema der Ausschreibung für Nr. 36 nicht.

 

"Am Erker" hat auch eine neue Ausschreibung zum Thema Gefangen, die Zeitschrift kannte ich schon (vieles kann man online lesen), da ein Freund von mir dort vor einiger Zeit seine Kurzgeschichten gern platziert hatte.

Sonstige Ausschreibungen

Neben den Wettbewerben, die man beim Uschtrin-Newsletter viel besser recherchieren kann als hier bei mir, gibt es auch immer mal wieder Ausschreibungen für Anthologien oder spezielle Ausschreibungen von Literaturzeitschriften. Da mehr Kurzgeschichten gesucht werden, ist hier die Erfolgsquote auch höher.

Hier einige aktuelle Ausschreibungen, von denen ich erfahren habe:

  • "Gefangen", Ausschreibung der Zeitschrift Am Erker (siehe oben), Deadline 15. September 2020 (10.000 - 15.000 Zeichen)
  • Corona-Anthologie, Deadline 10. Oktober 2020, bis zu 7777 Zeichen
  • Kaffee-Antholgie, Deadline Silvester 2020, bis zu 30.000 Zeichen, eher SF/Phantastik
  • Ausschreibung von Margret Kindermann zu drei verschiedenen Anthologien, Deadline Silvester 2020, bis zu 30.000 Zeichen


Diese Aufzählung kann in den Kommentaren gern ergänzt werden. Gleiches gilt für Literaturzeitschriftentipps.

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