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Die Spiegelreisende: Im Sturm der Echos (Teil 4) von Christelle Dabos

Harte Fakten

Titel Die Spiegelreisende: Im Sturm der Echos (4. Teil)
 Autorin Christelle Dabos
Seitenzahl 613
Erscheinungsjahr 2020

Reflektion: Ich bin zerrissen und zerspalten

Eine Gastrezension zum Gesamtwerk "Die Spiegelreisende" hat hier Tara bereits veröffentlicht. Ich beziehe mich in dieser Resension hier ausdrücklich auf den vierten Band.

 

Die ersten drei Teile der Spiegelreisende habe ich ganz gern gelesen, es ist aber nicht mein Lieblingsbuch.

Meine anfängliche Begeisterung während des ersten Bands ist schon in Band 2 und Band 3 ein wenig geschmälert worden, zu Beginn des Band 4 fragte ich mich dann schon manchmal, warum ich eigentlich ausgerechnet dieses Buch lese.

 

Jemand sagte letztens zu mir: "Warum ein gutes Buch lesen, wenn es ein sehr gutes gibt?". Vermutlich wäre es auch organisatorisch zu aufwändig, stets nur sehr gute Bücher zu erwischen und zu lesen und auch zu teuer, wenn ich all die "nur guten" nicht zu Ende lesen würde.

 

Ich kam mir jedoch vor, wie einen Marathon zu laufen und immer wieder zu Gehpausen gezwungen zu werden, obwohl ich doch laufen will.

 

Ich habe mich bei den 16 Stunden Hörbuch zwischendurch ganz schön gequält. Warum? Darüber habe ich nachgedacht. Bei amazon habe ich eine Rezension gelesen, die die ganze Handlung von Teil 4 als Kokolores bezeichnete und alles sehr absurd fand. Ja, es ist sehr phantasievoll, es ist nicht alles ganz leicht nachzuvollziehen. Vom Plot her hätte ich das dennoch zufrieden geschluckt, wenn es nur besser geschrieben  wäre.

 

Leider besteht aber mehr als die Hälfte des Buches aus Reflektionen und Erklärungen, sich wiederholenden Gedanken und "Was wäre wenn?"-Fragen. Anstatt dass die Handlung voranschreitet, höre ich Ophelia beim Denken zu. Hier und da mag das Klarheit über die recht komplexe Welt und Handlung geben, aber meistens ist es einfach nur langweilig und ermüdend. Wo war der Lektor? Im Urlaub? Im Koma?

 

Es ist wirklich schade um diese schöne Welt, die dort erschaffen wurde und die sehr liebenswerten und schrulligen Figuren, die Dabos erschaffen hat, von denen man einige in Band vier auch wiedertrifft.

Auf der Pro-Seite

Es gibt zwei Dinge, die mich fast alles verzeihen lassen:

 

Die Phantasie und die schönen Details der Welt, die hier erschaffen wurde.

Die Fähigkeit, jeden noch so kleinen Neben-Charakter - und natürlich auch alle Hauptcharaktere - so geschickt zum Leben erwachen zu lassen.

 

Dazu kommt in einigen Szenen durchaus Spannung auf und meine Neugierde ist wach. Aber bitte. In "einigen Szenen". Das waren nun 16 Stunden meines Lebens, da möchte ich doch mehr als nur in einigen Szenen Spannung haben. Wie wäre es in mehr als der Hälfte der Szenen? Oder zumindest in einem Drittel?

 

Am Ende hin (ca. die letzten beiden Stunden) wird es ein wenig spannender. Allerdings nur ein wenig. Vielleicht wird es auch nicht unbedingt spannender, aber zumindest interessanter. Der Ober-Böse ist aus meiner Sicht nicht so gelungen, es gibt aber einen antagonistischen Charakter, den ich sehr überraschend und gut gelungen finde, die Szenen mit ihm habe ich sehr genossen. Ich kann jetzt nicht spoilern, aber wer das Buch auch gelesen hat, weiß wahrscheinlich wen ich meine.

 

Schön waren die beiden Szenen aus Thorns Sicht, sehr erfrischend. Thorn ist sowieso meine Lieblingsfigur.

 

Am Ende bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mit dem Schluss zufrieden bin, ich kann es aber als Schluss akzeptieren und damit abschließen. Und endlich etwas anderes lesen bzw. hören.

Auf der Kontra-Seite

Die Reflektionen und die ewiglangen Absätze, in denen quasi nichts passiert. Was soll denn das? Auch Band 2 und 3 haben ja so ihre Längen, in Band 4 wird das auf die Spitze getrieben.

 

Dann gibt es auch Szenen, die wohl spannend sein sollen, es aber nicht sind, weil ich sie mir nicht plastisch vorstellen kann. Wie die Szene, in der eine große Gruppe von Menschen aus dem Amphitheater flieht. Da bleibt mir zu viel im Dunkeln, meine Sinne werden nicht angesprochen.

 

Das ist insofern ärgerlich, dass ich sehr wohl weiß, dass die Autorin das an anderen Stellen durchaus drauf hat. Hatte sie zu wenig Zeit? Zu wenig Lust?

 

Ich kann nur wiederholen, wie schade ich es finde, dass hier nicht jemand ein Machtwort gesprochen hat, nochmal ein paar Monate Redigierungsarbeit hineingesteckt und von den 600 Seiten vielleicht 200 rausgeschmissen hat.

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