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Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle von Stuart Turton

Harte Fakten

Titel Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
Autor Stuart Turton
Erscheinungsjahr 2019
Seitenzahl 605
Spieldauer Hörbuch 18:17 Stunden
Sprecher Frank Stieren

Inhalt:

Der Ich-Erzähler wacht auf. Im Wald, mit komplett leerem Gedächtnis. Er erinnert sich an Sprache, an soziale Umgangsformen, aber an nichts aus seiner persönlichen Vergangenheit. Er wird Zeuge einer Verfolgung und eines Schußwechsels in seiner Nähe und fürchtet, eine Frau namens Anna könnte ums Leben gekommen sein.

Sofort schließe ich Freundschaft mit diesem Herrn, der sich im Körper eines Arztes namens Sebastian wiederfindet. Sebastian ist ein liebenswerter Zeitgenosse und schließt noch am selben Tag noch Freundschaft mit Evelyn Hardcastle. Außerdemd findet er ein paar Details über die Vergangenheit der Hardcastles heraus.  Doch zack, am nächsten Tag wacht er in einem anderen Körper auf.

 

Es stellt sich heraus, so soll das acht Tage lang gehen. Jeden Tag ein anderer Körper. Seine Aufgabe ist es, den Mord an Evelyn Hardcastle aufzuklären, der an ebendiesem Tag um 23 Uhr erfolgt und der zunächst einmal wie Selbstmord aussieht.

 

Der Protagonist tastet sich vorwärts durchs Dunkel und nimmt dabei verständliche Umwege. Wir tasten uns mit ihm, mal mehr mal weniger konzentriert, mal eine Sache früher aufdeckend als er, mal später. Je nachdem in welchem "Wirt" er sich befindet, ist seine Auffassungsgabe unterschiedlich gut. Gleiches gilt für seine körperliche Fitness oder dafür, wie er bei seinen Mitmenschen ankommt. Als Arzt Sebastian kann er mit Evelyn Freundschaft schließen, steckt er in anderen Wirten, verachtet sie ihn. So beginnt ein Krimi, der in der Tat ungewöhnlich ist.

Reflektion:

ALTER, ich habe schon ewig nicht mehr so etwas spannendes, interessantes und verwickeltes gelesen (hüstel, gehört). Ich erinnere mich nicht. Was kann das gewesen sein? Agatha Christie? Nein, da fehlt die phantastische Komponente. Also, ich muss da noch einmal nachdenken. Das ist jedenfalls schweinescheißgut. Sechs von fünf Sternen.

 

Auch dieses Buch kaufte ich aufgrund einer Rezension in der phantastisch! (ich kann kaum eine Rezi lesen, ohne danach ein Buch zu kaufen).

 

Natürlich könnte ich bei Kleinigkeiten meckern, ich kann immer bei Kleinigkeiten meckern. Der Stil gefällt mir sehr gut, sehr angenehm altmodisch. Manchmal kommt hier und da eine Floskel, besonders gern scheint der Autor (oder der Übersetzer) Hendiadyoins zu benutzen, von denen einige natürlich schon einige Gebrauchsspuren aufweisen. Diese passen allerdings ganz gut in den Text. Manchmal kommt so etwas wie "lallte er betrunken". Warum sonst sollte er lallen? Insgesamt ist der Stil eher etwas detailreich, was aufgrund der Komplexität der Handlung auch ganz angenehm ist. Würde es mehr rasen, ich würde den Überblick verlieren. So aber komme ich gut zurecht. Das Wichtigste: Es gibt keine Längen. Keine Plotholes.

Das ist sein Debut, aber der Mann ist jetzt schon ein Profi.

 

Seine Wirte haben sehr unterschiedliche Vor- und Nachteile. Einer ist dick und hat sehr wenig Kondition (wenn ich das sagen darf, dies ist nicht unbedingt sehr subtil dargestellt) und dafür aber einen scharfen Verstand. Jemand anderes ist alt, fast schon fragil, dafür aber gewieft und konzentriert. Ein anderer ist ein Vergewaltiger, kann jedoch sehr gut lügen. Eine Frau gibt es hingegen nicht. Hätte das zu sehr abgelenkt? Den Protagonisten, der durch die Körper huscht oder mich Leserin von der Handlung abgelenkt? Jedenfalls hatte ich fast damit gerechnet, dass das noch kommt, es blieb aber aus.

 

Die Detektivstory ist spannend genug, das Drumherum, warum ist er überhaupt dort, warum soll er diesen Mord aufklären und wie kommt er dort wieder weg - ebenfalls interessant und der Schluss für mich an der richtigen Stelle und sehr befriedigend.

 

Es ist so interessant, den Ich-Erzähler in diese unterschiedlichen Köpfe zu begleiten und zu sehen, wie sich seine Herangehensweise ändert. Ich kann gar nicht aufhören, vom Können dieses Autors zu schwärmen. Der kommt mir aber so was von dick auf die Merkliste. Ich hoffe, er schreibt von nun an jedes Jahr ein Buch. Das nächste ist jedenfalls bereits vorbestellbar.

Trivia

Eigentlich ist der Brite Turton Journalist. Reisejournalist. Dieser Roman ist sein Debut. Gleich total erfolgreich, zack, Bestseller. Costa First Novel Avard Award 2018. Der Roman ist bisher in 25 Ländern erschienen.

 

Na, ich kann mir das auch gut als Netflix- oder amazon-Serie vorstellen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Aleshanee (Mittwoch, 02 September 2020 07:13)

    Schönen guten Morgen!

    Ich bin durch die Aktion *review of the month* zu deiner Rezension gekommen und ich war sehr neugierig, denn das Buch steht schon seit einer Weile auf meiner Wunschliste! Ich hab auch schon einige Meinungen dazu gesehen, hauptsächlich positive, aber durchaus auch kritische...

    Du hörst dich jedenfalls sehr begeistert an und ich werde umso neugieriger. "Der Protagonist, der durch die Körper huscht", das klingt auf jeden Fall interessant und scheint viel Spannung zu bringen! Ich freu mich drauf :)

    Meine review of the month ist Boy´s Life von Robert McCammon
    https://blog4aleshanee.blogspot.com/2020/08/boys-life.html

    Liebste Grüße, Aleshanee

  • #2

    Yvonne (Mittwoch, 02 September 2020 08:37)

    Hi Aleshanee,

    ja, ich war tatsächlich total begeistert. Das war schon der beste Krimi mindestens seit ich Agatha Christie gelesen habe.

    Ich habe bei amazon auch negative Stimmen gehört und mir da ein paar Kritiken durchgelesen, kann das aber nicht nachvollziehen. Ich habe mich kein Stück gelangweilt, und das, obwohl ich es als Hörbuch hatte und ja nicht überfliegen konnte. Für mich hatte das keinerlei Plotholes.

    Ich gucke gleich mal deine Rezi an.

    LG Yvonne