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Krieg der Welten von H. G. Wells

Harte Fakten

Titel Krieg der Welten
Autor H. G. Wells
Erscheinungsjahr 1898
Seitenzahl 319

Inhalt

Bei "Die Zeitmaschine" war ich beeindruckt davon, wie gut das Thema umgesetzt war - besser als viele deutlich jüngere Werke.

 

Mit "Krieg der Welten" behandelt Wells ein Thema, das in den letzten Jahrzehnten sehr ausgeschlachtet worden ist. Ich selber habe sicherlich zwei Dutzend Filme zum Thema "Böse Außerirdische" gesehen. Dass er der Erste war, ist zwar wichtig, aber spielt für mein Lesevergnügen keine Rolle, wenn ich ihn erst 2020 lese. Daher schaue ich auf diese Story von 2020 aus.

 

Ich brauche ein wenig, um hereinzukommen, obwohl das Buch richtig gut gemacht ist. Es wird vermutet, dass es Leben auf dem Mars gibt, aber dies zu überprüfen kommt nicht in Frage. Wir haben 1898. Es gibt kaum Autos, geschweige denn Raumschiffe.

 

Dann landet ein großer Zylinder in der Nachbarschaft des Ich-Erzählers. Der Zylinder dreht sich auf, hält dann aber eine Weile inne. Sie vermuten, dass ein Mensch darin gefangen ist. Doch auf Rufen erhalten sie keine Antwort und sie können auch den Zylinder nicht öffnen. Dieser öffnet sich nach einer Weile von selber und zack, Marsianer kriechen heraus. Hässliche Geschöpfe. Meine Ausgabe ist mit Bildern, ich sehe also tintenfischähnliche, recht riesige Gestalten direkt vor mir.

 

Spannend: Dass die Marsianer aus der Kuhle, die durch das Einschlagen des Zylinders entstanden ist, nicht herauskommen, wird dadurch erklärt, dass die Erde eine Schwerkraft hat, dreimal so heftig wie auf dem Mars. Die armen Marsianer haben ihr Gewicht also verdreifacht und ihre Muskeln sind wie immer. Das leuchtet ein. Sie können aber direkt umstehende Menschen mit einer Art Lichtblitz verkohlen, was sie auch alsbald machen. Überall schwarze Leichen. Puh. Auch wieder Illustrationen.

 

Der Ich-Erzähler glaubt zwar nicht, dass die Marsianer ihm gefährlich werden können, schließlich kommen sie aus dem Loch nicht heraus. Er flieht vorsichtshalber trotzdem mit seiner Frau. Es dauert nicht lange, da kommen die dreibeinigen Maschinen ins Spiel, die sich über die Erde bewegen können, von Marsianern gesteuert. Der Krieg beginnt.

 

Der britische Gentleman, der berichtet, fällt dann auch mehrfach sehr sympathisch aus seiner Rolle. Er rennt schluchzend weg, wird halb irre vor Angst, ist irgendwann sogar elf Tage mit einem Kurator und nur wenig Verpflegung eingeschlossen. Innerhalb dieser elf Tage haben die Marsianer draußen auch ziemlich gewütet.

Um eine weitere Perspektive mit einzubauen, gibt es einen Abschnitt, in dem er widergibt, was sein Bruder derweil erlebt hat. Dieser wohnt in London, fliegt aus der Stadt, trifft zwei Reisegefährtinnen und flieht auf einem Dampfer.

 

Die Story zieht mich dann doch allmählich hinein mit Details, die die meisten Hollywoodschinken nicht bieten können. Außerdem mit einer Nähe zum Protagonisten, die viel Spannung erzeugt. Die Auflösung ist wahrscheinlich bekannt - falls nicht, möchte ich hier aber nicht spoilern. Mir war sie vorher bekannt, vermutlich aufgrund des Films mit Tom Cruise. Ich finde das Ende, sowie das gesamte Buch sehr gelungen.

 

Krieg der Welten mit Tom Cruise
(2005)

Enthält Spoiler

Ich beziehe mich nur auf den Spielberg Film. Die andern elf Verfilmungen berücksichtige ich nicht, weil ich die nicht kenne.

Es gibt doch erstaunlich viele Motive, die in dem Spielberg-Film wieder auftauchen. Zwar ist der Protagonist hier ein geschiedener Mann mit zwei Kindern und nicht ein verheirateter Mann ohne Kinder, das ist aber auch schon der krasseste Unterschied.

Es gibt eine Szene, in der sie unter Wasser tauchen und schwimmen müssen, und auch ein Dampfer kommt vor, auch wenn sich das etwas anders verhält als im Buch.

Genau wie im Roman möchten die Außerirdischen das Blut der Menschen absaugen. Der Protagonist ist ebenfalls eine Weile mit einem Mann im Keller gefangen (Buch: Kurator / Film: Rettungswagenfahrer), der allmählich verrückt wird und getötet vom Protagonisten werden muss.

Auch im Film gibt es am Ende ein Wiedersehen mit jemanden, von dem der Protagonist während der Flucht getrennt wurde (Buch: Ehefrau / Film: Sohn).

Es gibt noch ein paar recht auffällige Abweichungen wie z. B. dass der Film in den USA spielt, das Buch aber in England und der Film hundert Jahre später spielt. Aber im Vergleich zu anderen Verfilmungen wie Blade Runner oder Motherless Brooklyn habe ich schon das Gefühl, dass der Film mit dem Buch viel zu tun hat.

So ist die Verfilmung zwar nicht buchstabengetreu, aber doch mit sehr ähnlichen Motiven und grobem Plot und gilt daher laut wikipedia schon irgendwie als Neuverfilmung.

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