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Tiefes Grab von Nathan Ripley

Harte Fakten

Titel Tiefes Grab
Autor*in Nathan Ripley
Erscheinungsjahr 2019
Seitenzahl 480

Inhalt

Ein Prolog, mit dem ich zunächst nicht viel anfangen kann - aus der Sicht einer Frau erzählt, die überfallen wird. Später ergibt er natürlich dann Sinn. Hätte aber nicht unbedingt sein müssen.

 

Dann das erste Kapitel, ich habe hier einen männlichen Ich-Erzähler vor mir. Gleich zu Beginn kommen mehrere Haken, die mich einfangen:

  • Wieso gräbt er Leichen von Serienmördern aus?
  • Was ist mit der Schwester Tinsley seiner Frau passiert?
  • War er etwa selber mal ein Serienmörder und ist jetzt aber braver Familienvater?

Diese ungewöhnlichen Elemente werden herrlich vermischt mit einem ganz normalen amerikanischen Alltag. Der Roman nimmt sich Zeit, zeigt viele sehr frische Details, bleibt dabei spannend. Das Tempo ist aushaltbar, weder zu langsam noch zu schnell. Die Szenen sind genau richtig beschrieben, so dass ich mir ein Bild machen kann von den Menschen und recht schnell einen Film im Kopf habe.

 

Die Schwester seiner Frau wurde damals von einem Serienmörder getötet, aber ihre Leiche wurde nie gefunden. Martin Reese hat ihr neugierig nachgestellt, gerade weil sie die Schwester eines Serienopfermörders war.

 

Was also stimmt nicht mit Martin?

 

Doch seine spätere Frau hielt ihn nur für einen schüchternen Verehrer und sprach ihn eines Tages an - dies mündete in einer Ehe mit einer Tochter. Übrigens ist die vierzehnjährige Tochter Kylie eine coole Nebenfigur, von der ich gern mehr gelesen hätte.

 

Mir gefällt, dass es zwei Perspektiven (später sogar drei) gibt. Einmal Martin, den Ich-Erzähler (das ist der, der die Leichen ausgräbt). Und die Polizistin Sandra, wobei diese keine Ich-Erzählerin ist, sondern in der dritten Person auf sie fokussiert wird - aber eben dennoch aus ihrer Sicht. Sandra ist schlau und ambitioniert, aber weit entfernt davon, ihr Temperament immer im Griff zu haben. Ganz nett, eine weitere Identifikationsfigur zu haben.

 

Was zumindest in den Kapiteln, in denen Martin erzählt, vielleicht Geschmackssacke ist: Er ist ziemlich umfangreich. Es gibt kaum Leerstellen. Wir sind vollständig in seinem Kopf. Erfahren alles. In gewisser Art und Weise ist das auch spannend, denn es gibt ja Geheimnisse um ihn, die in der Vergangenheit liegen und die möglicherweise dunkel sind - dann wird es später hart für uns, wenn wir ihm schon seit X Kapiteln so nahe sind.

 

Die Geheimniss um den Protagonisten Martin Reese werden allerdings recht früh gelüftet, circa im ersten Drittel. Dabei hatte ich das Rätseln sehr genossen! Dann fällt die Spannung auch schon sehr ab - leider. Ein solider Thriller ist es dann immer noch, aber eben nichts außergewöhnliches mehr: Und genau das war im ersten Drittel noch geleistet.

 

Weiter hinten habe ich dann und wann speedreading angewendet, weil es mir ein wenig zu langweilig war und wenig passierte. Oder nur Dinge, die ich schon zu oft gelesen habe.

 

Am Schluss tafeln sie wieder ein wenig auf, die Pointe ist ganz nett. Trotzdem ziehe ich Agatha Christie jederzeit vor.

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