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Quer Beet aufs Treppchen von Michael Kothe

Harte Fakten

Titel Quer Beet aufs Treppchen
Autor Michael Kothe
Erscheinungsjahr 2020
Seitenzahl 280
Anzahl Geschichten 24

Inhalt

Vorrede

Ich "kenne" Michael schon seit ein paar Monaten. Zunächst las ich von ihm bei der Textgemeinschaft und es fiel mir auf, dass eine seiner Geschichten in fast jeder Anthologie vertreten war. Später kommentierte er auch auf meinem Blog und empfahl mir die Schreiblust - ein Autor*innentreff im Internet, in dem es Monatsthemen gibt und gegenseitig Geschichten testgelesen und bewertet werden. Seitdem hat sich auch ein Mailwechsel entwickelt.

 

Fazit für Eilige

Die Kurzgeschichten machen viel Spaß. Dies hat vor allem einen Grund: Ich kann mir absolut darauf verlassen, dass jede eineSchlußpointe oder mindestens ein gelungendes Ende hat.

Selbst wenn mich eine Story auf den ersten ein oder zwei Seiten noch nicht so fesselt, habe ich genügend Motivation weiterzulesen, da ich auf die Pointe gespannt bin.

Es gibt einige wenige, die mir aufgrund des Genres nicht so zusagen, das liegt einfach an meinem persönlichen Lesegeschmack. So abwechslungsreich, wie dieser Autor ist, kann ich als Leserin nicht immer allem folgen.

Am Ende jeder Kurzgeschichte gibt es eine Bemerkung dazu, wo diese bereits angenommen und veröffentlicht wurde.

 

Zweiter Frühling

Das ist nicht die Geschichte eines Mannes, der nach dem Ende seiner Ehe noch einmal eine Frau kennenlernt. Das ist eine Spukgeschichte, die mal ganz anders aufgebaut ist, als wir es gewohnt sind.

Hier spielt ein Hund als Hinterbliebener eine sehr sympathische Rolle.

Die Story hat es bei der Schreiblust beim Monatsthema "Geister" auf den 2. Platz gebracht.

 

Die Babysitterin

Ah, das kenne ich schon! Aus den Schubladengeschichten der Textgemeinschaft.

Die ist tatsächlich etwas gruselig, siehe meine damalige Rezension. Mit einer echt heftigen Pointe.

 

Abserviert

Diese Story lebt von der Pointe, die ich erst kurz vor dem Ende errate. Es passiert nicht viel, es ist aber auch sehr kurz. Ebenfalls bei der Schreiblust aufs Treppchen gekommen, ein Foto diente damals als Inspiration: Ein Zettel, auf dem "I'm sorry" steht.

 

Szenen einen Eher - ehe eine Szene!

Zuerst liest sich das wie nichts besonderes - typisches verkorkstes Eheleben eben. Am Ende hin wird dann aber klar, dass der Protagonist nichts dazugelernt hat. Schöne Pointe.

Das war auch hier expilzit die Schreibaufgabe der Schreiblust: "Manchmal trifft man im Leben die falsche Entscheidung -vielleicht auch mehrmals"

 

Nikolaus

Stell dir vor, du bist der Nikolaus. Der echte. Der vielleicht in letzter Zeit etwas zugenommen hat und sich selten rasiert hat. Stell dir vor, du kommst nicht so einfach heraus - und kannst nicht so einfach zu den Menschen, um sie zu erfreuen.

Eine sehr menschliche Nikolaus-Geschichte, deren Anfang und Ende mir sehr gefallen hat, in der Mitte hätte sie mich fast verloren.

 

Boah ey! oder Münchhausens Schreckensfahrt

Seit Matrix 2 habe ich von Verfolgungsjagden genug. Diese hier lohnt sich zu lesen, weil die Pointe einfach herrlich ist. Da habe ich doch sehr gegrinst.

 

Retourkutsche

Hier zeigt der Autor seine sprachliche Vielseitigkeit. Bayrische Mundart hat er auch drauf. Genial gelöst: Auch ich als Norddeutsche komme klar, denn er nutzt die Mundart nur in den Dialogen (Gottlob!) und baut als Nebenfigur einen aus dem Norden zugezogenen ein, für den die Herren alles auf (einigermaßen) Hochdeutsch wiederholen müssen, wenn sie es zu wild getrieben haben. Erstens witzig und zweitens kann ich dann gleich prüfen, ob ich es verstanden hätte. Die hier eingefädelte Retourkutsche ist auch böse, aber nicht zu böse, um nicht zeitgleich auch noch witzig zu sein.

 

Wenn die Katze ...

Hier sind in einem Seniorenheim auf einmal Insassen verschwunden. Wie viele wird schnell klar, anhand der herumliegenden Rollstühle und Rollatoren, wer hingegen, muss erst einmal eroiert werden. Schweinefuß, seines Zeichens Journalist, der aber von der Heimleitung aufgrund seiner Columbo-Jacke für einen Polizisten gehalten wird, macht sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Sehr unterhaltsam! Eine meiner Favoriten in dieser Sammlung.

 

Kosten Sie!

Hier wird ein Restaurantbesuch geschildert. Herrlich zeichnet der Autor den männlichen Part des Paares und stellt ihn als penibel und anstrengend dar. So zieht die Pointe natürlich erst Recht.

 

Major Tom

Science Fiction! Ist ja voll mein Genre zurzeit. Der Protagonist heißt eigentlich Thomas, steht aber auf die Neue Deutsche Welle, weshalb ihm seine Mannschaft den Spitznamen Major Tom gegeben hat. Nicht unbedingt, weil sie ihn sonderlich interessieren. Das Thema für diesen Schreiblustwettbewerb lautete "Griff ins Klo", und die Pointe passt sehr gut dazu.

 

Generation Hope

Die Geschichte hatte es bei der Story-Olympiade zum Thema "Generation"n in die Vorrunde geschafft. Zu Recht! Auch hier lese ich Science Fiction, ausgeklügelter als bei Major Tom und völlig anders: Ernster, runder, spannender - finde ich. Die Ich-Erzählerin und ihr Freund Harri, sowie jeweils ihre Eltern und ihre Großeltern sind unterwegs zu einem bewohnbaren Planeten, "Planet B", als Vorhut sozusagen. Dort sollen sie sich natürlich auch vermehren. Dies weckt mit der Zeit doch einige Ideen im Kopf der Prota, was zur unabwendbaren Pointe führt.

 

Rorre

Hier ist die Entstehungsgeschichte witziger als die Geschichte an sich. Der Autor reichte sie zu einem Wettbewerb ein, bei dem höchstens 1000 Zeichen erlaubt waren. Erst Monate später wurde klar, dass 1000 Worte gemeint waren. So kam Rorre nicht in die engere Auswahl.

 

Pädophil

Dieses Gedicht kannte ich bereits aus dem Bubenreuther Literaturwettbewerb von 2019. Die Pointe sitzt. Die meisten veröffentlichten Beiträge werden in der Anthologie kurz kommentiert - hier widerspricht der Autor aber der Interpretation in der Antho. Das war für mich sehr interessant.

 

Ich bin.

Mit diesem gesellschaftskritischen Text konnte ich persönlich nicht so viel anfangen. Höchstens mit dem Teil, dass es echt viele Götter gibt, die unterschiedlich alt sind, da sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten "erdacht" wurden.

 

Parkour

Zombie-Virus-Kurzgeschichte, die zwar von Omega-Man inspiriert wurde, mich aber eher an "28 Tage later" erinnerte. Fieser Schluss.

 

Kanonenfutter

Thema hier war "ein unheilvolles Geschenk". Mir gefällt die Geschichte nicht. Nicht, weil sie nicht gut gemacht sei, das ist sie - (Beispiel: Die Nässe in seiner Hose war zu warm, um mit dem Nebel zu tun zu haben), es ist nur einfach eine harte Story, mit Assoziationen zu Krieg, was ich persönlich nicht gut vertragen kann. Gefallen hat mir die SF-Komponente mit den Aliens.

 

Großeltern

Gespenstergeschichte für Kinder. Sehr spannend geschrieben - sowohl für Kinder als auch für die vorlesenden oder lesenden Erwachsenen. Das könnte ich auch meiner Tochter vorlesen. Den Schluss habe ich erst wenige Sätze zuvor kommen sehen, perfekt also.

Ein Junge, der durch die Nacht von der Wohnung seiner (abwesenden) Mutter zu seinen Großeltern läuft - selbstverständlich ist es bereits dunkel. Eigentlich sind es nur 1,5 km, aber auf denen kann viel passieren. Sehr gut gemacht!

Übrigens wurde die Story dadurch geadelt, dass auch unsere Fünfjährige sie super spannend fand - und nicht zu gruselig. Ebenfalls eine meiner Favoriten in dieser Sammlung.

 

Rudolf

Rudolf ist ein Troll. Es kommen auch Kobolde vor. Ihr Lebensraum - der Stadtwald - wird von den Menschen bedroht.
Ich habe es ja nicht so mit dieser Art Fantasy, daher halte ich mich hier mal zurück. Die Story wurde bei der Textgemeinschaft in der Anthologie "Die koboldhafte Welt der Waldwesen" veröffentlicht. Der Autor zeigt hier wieder einmal seine Vielfalt - der ist ja beim Schreiben vielfältiger als ich beim Lesen. :-)

 

Ba-Ba-Banküberfall

Das ist mehr mein Ding - lustig, dass der Bankräuber stottert (da bekommt das bekannte jahrzehntealte Lied noch einmal in den Sinn), und die Pointe kommt total unerwartet.

Kein Wunder, dass trotz der mehr als hundert Einsendungen zum Thema "Krimi auf 3 Seiten" der Textgemeinschaft diese Story es in die Anthologie geschafft hat. Meiner Meinung nach die Geschichte mit der besten Pointe.

 

Tod am Frühstückstisch

Letztens hatte ich eine so ähnliche Idee (selbstverständlich für eine Geschichte und nicht die Realität), wenn auch meine "Mordwaffe" sich sehr unterschied, nicht aber das Motiv. 

Ein gelungener Kurzkrimi auf drei Seiten mit einer nachvollziehbaren Heldin. Ähm. Täterin. Für mich gemeinsam mit den "Großeltern" und "Wenn die Katze..." unter den Top 3.

 

Der Tote am Wasserturm

Das ist ein 20 Seiten langer Krimi, der mich nicht rechtzeitig gepackt hat, weshalb ich hier Mut zur Lücke ausübe.

 

Ein seltsames Duell

Meiner Amme zum 150. Geburtstag gratulieren? Ach so! Münchhausen. Na dann ist ja gut. Die Story unterscheidet sich stilistisch noch einmal sehr von den anderen und unterstreicht erneut die Vielseitigkeit des Autors. Zwar trifft das Genre nicht so recht das, was ich sonst gern lese, ich lasse mich aber ganz gern mal auf ein Experiment ein.

Die Pointe warnt uns, dass Hochstapeln aus verschiedentlichen Gründen gefährlich sein kann.

 

Ein letzter Monolog

Diese Story zum Thema "Berufesterben" (da wäre ich beim Lesen ja nie drauf gekommen) ist sicher herausgestochen aus der Anthologie. Ich dachte lange Zeit, es ginge nur um ein Verbrechen aus Rache (nun, darum geht es ja auch) und musste bis ganz zum Schluss warten, um die Geschichte in seiner ganzen Fülle zu verstehen.

 

Die Höhle

"Mehr Licht" war hier das Thema und auch wenn die Story es nicht auf's Treppchen geschafft hat, ich bin froh, dass er sie aufgenommen hat. Manchmal wünschte ich mir auch genau das, was die Protagonistin Bianca hier erlebt: Einen Ausflug in die Vergangenheit. So lebensecht wie es geht. Eben mit mehr Licht.

 

"Mehr Licht" (ein Nachwort)

 Das Nachwort ist sehr kurz - dann folgt noch eine Bio des Autors. Als Witschaftsjurist wird auch klar, dass er sich mit Sprache auskennt. Da hat ja jedes Wort Gewicht und ein Falschgebrauch ist nicht anzuraten.

 

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