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Was ich euch nicht erzählte von Celeste Ng

Harte Fakten

Titel Was ich euch nicht erzählte 
Autor*in Celeste Ng 
Erscheinungsjahr 2016 
Seitenzahl 304 

Inhalt

Ende der Fünfziger waren Mischehen in den USA noch tabu, in einigen Bundesstaaten verboten.  Dass Marilyn hier also James Lee - geboren in Kalifornien, aber chinesischer Abstammung - heiratet, ist ein kleiner Skandal. Entsprechend schwierig gestaltet sich ihr Leben und das ihrer Kinder. Nun spielt der Großteil des Romans in den Siebzigern. Ich hätte es auch interessant gefunden, wie es eigentlich heute ist. Besser? Wenn ja, wieviel besser?

 

Der subtile Rassismus jedenfalls ist sehr interessant. Wie die Leute anders mit James sprechen. Langsamer. Mit einfacheren Worten. Oder ganz klar rassistische Spitznamen für ihn, oder später, für seine Kinder finden. Sich wundern, dass er eine blonde, blauäugige Frau hat.

 

Das Buch beginnt damit, dass Lydia, die Tochter von James und Marilyn tot ist. Zunächst ist sie nur weg - dann wird ihre Leiche im See gefunden. Mord? Selbstmord? Ein Unfall?

Alle Familienmitglieder kommen hier zu Wort und wir entdecken, dass ganz schön viel im Argen liegt. Marilyn wollte eigentlich ein ganz anderes Leben, Karriere als Ärztin statt Hausfrau und Mutter. Und der chinesisch-stämmige James würde so gern dazugehören. Beide projizieren ihre Wünsche auf Lydia.

 

Besonders tragisch: Vor zehn Jahren verließ Marilyn die Familie. Ohne Nachricht. Dies hinterließ Spuren, vor allem in Lydia. Das fand ich als Plotwende bzw. Erklärung ihres Verhaltens recht überzeugend. Vieles andere konnte ich eher weniger nachvollziehen.

 

Ich weiß, einige Leser*innen schätzen es, wenn alles klar ist und man nicht rätseln muss. Ich persönlich rätsele dann doch lieber ein wenig, anstatt es so genau vorgekaut zu bekommen als in diesem Roman. Einige Entwicklungen, vor allem von Lydia, waren schon nachvollziehbar. Doch weil die Autorin offenbar auf Nummer Sicher gehen wollte, dass auch der letzte schläfrige Querlesende es mitbekommt, hat sie ihre Botschaft quasi auf Plakate gemalt und wild damit gefuchtelt. Daher fand ich den Roman ab ca. der Hälfte größtenteils langweilig.

Alles liegt so klar serviert vor mir. Es gibt nichts für mich selber zu entdecken. Das hatte ich bei ihrem zweiten Roman "little fires everywhere" nicht so empfunden. Wobei, rückblickend wurde auch da einiges sehr klar gesagt, zu klar. Dadurch, dass ich vorher die Serie gesehen hatte, war mir das nicht so aufgefallen.

 

Es kam noch eine überraschende Antwort, die ganz nett war und eine Nebenfigur betraf. Außerdem fand ich es positiv, dass alle Rätsel (zumindest für uns Lesende) gelöst wurden. Trotzdem wäre es mir wichtiger gewesen, ich hätte einiges selber entdecken können, anstatt es vorgekaut zu bekommen. 

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