Jurassic Park - von Michael Crichton

Harte Fakten

Titel Jurassic Park 
Autor*in Michael Crichton 
Erscheinungsjahr 1990 
Länge Hörbuch 16 Std. 17 Minuten 
Sprecher*in Oliver Rohrbeck 

Inhalt

Vor vielleicht fünfzehn Jahren las ich "Timeline" vom selben Autor, vor fast dreißig Jahren schaute ich zum ersten Mal die Jurassic-Park-Verfilmung. Warum also jetzt plötzlich noch den Roman nachlegen? Auf die Idee gebracht hat mich der Artikel in "Was passiert wirklich, wenn...", in dem darüber sinniert wird, ob es tatsächlich möglich wäre, Dinos zu klonen (Spoiler: Nein, mit einem langen aber). 

 

Crichton hatte als Mediziner natürlich einen perfekten Hintergrund, um die ganze Gentechnik, die sich durch den Roman zieht, wissenschaftlich sehr gut einzubetten. Auch die Informatik hat er sehr überzeugend dargestellt (auch wenn ich damals noch nicht programmiert habe und daher für nichts garantieren möchte). 

 

Der Roman hat mit seinen 16 Stunden natürlich deutlich mehr Platz für Geschehnisse, die der uns womöglich fast allen bekannte Film nicht berührt. So lässt er sich anfangs viel mehr Zeit, bis es endlich auf die Insel geht. Kleinere Dinos sind durchaus schon ausgebrochen und treiben am Strand von Costa Rica ihr Unwesen. Es gibt mehr Zeit für Nebenhandlungen, die die Spannung erhöhen und ahnen lassen, was da genau auf der Insel geschieht. Ian Malcolm wird mehrfach erwähnt und zitiert, bevor er endlich seinen großen, leicht arroganten Auftritt hat. 

 

Es gibt einiges, das fast identisch ist - die Ziege, die an den T Rex verfüttert werden soll und plötzlich auch tatsächlich weg ist, überhaupt die ganze Szene mit dem T Rex und den Landrovern, in denen die kleine Truppe sitzt, die die erste Tour durch den Park unternimmt. Die Kinder, das Mädchen Lex und der Junge Timmy, haben deutlich mehr Profil als im Film (und Lex ist deutlich jünger als im Film), dasselbe gilt auch für alle anderen Figuren. Der Bösewicht ist auch im Buch der "Fettwanst", der Programmierer Dennis Nedry, was ich persönlich etwas schwierig finde, da er sonst äußerlich fast gar nicht beschrieben wird. Vermutlich liegt das eher am Klischee des Programmierers, das wir sicher immer noch nicht so recht los sind.

 

Nach dem ersten Höhepunkt mit dem Stromausfall und der Begegnung mit einem freien T Rex kommt aber nicht sofort der Showdown, sondern der Roman ist gerade mal halb vorbei - genügend Platz für weitere Ereignisse und durchaus noch ein paar ruhigere, ebenfalls interessante Szenen und ein paar weiteren unterhaltsamen Auftritten des Ian Malcolm (für mich persönlich unvergessen im Film gespielt von Jeff Goldblum).

 

Das Buch bietet unter anderem eine spannende Flucht Szene mit einem schwimmenden T Rex, der dabei wie das weltgrößte Krokodil wirkt. Es steht außerdem mehr auf dem Spiel als im Film, weil bereits Dinos die Insel verlassen haben und es weiterhin tun und außerdem sehr früh klar wird, dass sie bereits einen Weg gefunden haben, um sich zu vermehren.

 

Der Roman ist erstaunlich gut gealtert. obwohl in den letzten dreißig Jahre irre viel geschehen ist, was Speicherkapazität von Daten und Suchalgorithem betrifft. Vermutlich könnte man die Daten, die sie für ihre DNA-Analysen brauchen, heutzutage auf einem Handy speichern. Beim Lesen kommt aber ganz klar durch, in welchem Verhältnis die Rechnerkapazität, die sie damals benötigten, zu dem steht, was damals normalerweise üblich war, so dass die Story auch für jeden Teenager von heute funktionieren sollte. 

Was DNA-Sequenzierung betrifft, sind heute natürlich auch ganz andere Dinge möglich. Nur eines wäre immer noch nicht möglich: Aus Dino-DNA echte, lebendige Dinos zu klonen. Dino-DNA ist schlicht zu alt. Das war vor dreißig Jahren möglicherweise nicht bekannt. Allerdings wäre es denkbar, den Dodo oder das Mammut zu klonen, diese DNA wäre noch brauchbar. Diese Frage wurde eingehend in dem Sachbuch "Was wirklich passiert, wenn..." beleuchtet.

 

Obwohl der Stil souverän ist und ich den Roman für gut geschrieben halte, wundere ich mich zeitweise über die Redundanz. Da ich es als Hörbuch habe, kann ich nicht wörtlich zitieren, aber ungefähr:

 

Er hatte Angst. [kurze Beschreibung, was geschieht] Er hatte Todesangst. Alternativ: Er hatte eine Heidenangst.

 

Insgesamt braucht man sich nicht zu sorgen, dass man etwas verpasst, wenn man nebenbei kocht oder das Kleinkind bespaßt, weil eben nicht jedes Wort zählt. Es ist nicht so schlimm, dass es sich zieht oder langweilig wird, vermutlich war das Ziel, hier wirklich jede:n Leser:in mitzunehmen. Es ist letztendlich eben doch Populärliteratur und zwar sehr gut gemachte.

 

Timmy funktioniert gut als Identifikationsfigur für die Teenies, die sicherlich das Buch gelesen haben werden oder möglicherweise auch noch lesen werden. So recht zeitlos ist der Roman nicht, ich finde aber, dass man ihn durchaus immer noch gut lesen kann.

 

All diese warmen Worte über diesen lesenswerten und auch spannenden und vor allem wissenschaftlich gut gemachten Roman sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich ganz klar um Populärliteratur handelt und man emotionale Tiefen in den Figuren lieber nicht suchen sollte. Klar, die haben schon ein gewisses Profil, vor allem Ian Malcolm, aber man sollte nicht erwarten, sie wirklich näher kennenzulernen. Das macht es auch ziemlich erträglich, dass einige aus dem Cast den Roman nicht überleben und teilweise auch sehr gräuliche Enden finden.

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