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Rebecca von Daphne du Maurier

Harte Fakten

Titel Rebecca 
Autorin Daphne du Maurier 
Erscheinungsjahr 1938 
Seitenzahl 450 

Inhalt

Ganz selten lese ich mal ein Buch, bei dem ich denke: So gut wirst du nie schreiben. Nie im Leben.

 

Es ist in jeder Hinsicht so dermaßen überzeugend, dass ich mich so begeistert daran festlese wie zuletzt an Solaris oder Frankenstein. Möglicherweise ist das sogar nun mein Lieblingsbuch.

So eine unerwartete Wendung nach ca. zwei Dritteln der Geschichte hatte ich bisher jedenfalls nie erlebt. Es hört dann auch tatsächlich bis zum Schluss nicht auf, spannend zu sein. Fast schade, dass ich das Buch nun kenne. Ich würde es gern erneut zum ersten Mal lesen.

 

Die Ich-Erzählerin ist genau richtig. Sehr gute Beobachterin. Manchmal aber dennoch aufgrund ihres Erfahrungshorizonts herrlich unzuverlässig bzw. merke ich als Leserin Dinge, die sie nicht bemerkt. Ihre

Beschreibungen sind so dermaßen auf den Punkt, und mit einer Detailliebe. Und das, ohne dass die Handlung an Fahr verliert. Herrliche Dialoge. Sehr deutliche Antagonist:innen.

 

Die Ich-Erzählerin, dessen Vorname nie genannt wird, lernt einen wohlhabenden Mann kennen: den Witwer Maxim de Winter. Obwohl sie vom Stand her so gar nicht zu ihm passt, verlieben sich die beiden recht schnell und er macht ihr einen Antrag. Er ist doppelt so alt wie sie und hat eine Ehe hinter sich - mit Rebecca. Diese ist vor einem Jahr gestorben. Darüber spricht er nicht.

 

Die Protagonistin fühlt sich als neue Mrs de Winter auch schnell wie eine Fehlbesetzung, die im Schatten ihrer Vorgängerin steht. Ich kann so richtig nachfühlen, wie es sein muss, sich überhaupt nicht auszukennen:

Erstens, in dem riesigen Haus und mit den Gepflogenheiten dort. Wie sie nach ihrem ersten Frühstück durch die Zimmer irrt und nicht weiß, wo sie hin soll. Kein Raum scheint dafür geeignet zu sein. In ihrem Schlafzimmer wird geputzt, in der Bibliothek ist das Feuer noch kalt, das Speisezimmer wird auch gerade aufgeräumt. Als würde sie gar nicht dorthin gehören, schleicht sie umher. Herrlich sympathisch, authentisch und total nachvollziehbar.

Zweitens, mit ihrem neuen Stand. Plötzlich ist sie die Hausherrin. Muss sie das Mittagessen auflösen? Was sind eigentlich ihre Aufgaben? Sie ist ratlos und ich bin es mit ihr, denn auch ich habe keine Ahnung. So liest sich das Buch gerade deswegen besonders gut, weil sowohl mir als Leserin als auch ihr als Ich-Erzählerin das alles so völlig fremd ist. Dabei beobachtet sie so herrlich gut, dass es eine wahre Freude ist.

 

Dann diese subtile Spannung, die von dem Ereignis ausgeht, dass die vorherige Frau ihres Mannes Maxim de Winter, Rebecca, verstorben ist. Wie genau, das entblättert sich erst nach und  nach. Und mehr noch: Was war Rebecca für ein Mensch? Dann stellen sich noch mehr Fragen, vor allem im letzten Drittel, die in dieser Rezi weder gestellt noch beantwortet werden sollen. Auch ich durfte das Buch lesen, ohne dass man mich vorher spoilerte und es hat meinen Lesespaß sehr erhöht. 

 

Die Figur der Bediensteten Mrs Danvers war sehr gruselig und unheimlich, gerade weil einiges so subtil war. Ich kann voll nachvollziehen, dass die Ich-Erzählerin von ihr eingeschüchtert war.

 

Ein bemerkenswertes Buch, mit dieser Autorin bin ich längst nicht fertig.

 

Ein weniger blauäugiges Review mit kritischen Anklängen zum Sexismus findet ihr übrigens hier. Der spoilert allerdings etwas, also vielleicht lieber erst einmal das Buch lesen.

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