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Brave New World von Aldous Huxley

Harte Fakten

Titel Brave New World 
Autor Aldous Huxley 
Erscheinungsjahr 1932 
Seitenzahl 288 

Inhalt

Klasse Griff, die Führung am Anfang. So werde ich als Leserin ganz gut in die Welt eingeführt, gehe quasi neben den Jungen in der Führung und mache mir Notizen, wie sie. Während die Jungen aber kaum reagieren und das alles normal finden, bin ich ständig entsetzt über die Welt, die sich da auftut.

 

Ein wenig erinnert die Führung durch die Fabrik an "Hier sangen früher Vögel" von Kate Wilhelm, auch dort wurden Babys künstlich hergestellt (Gentechnik war allerdings 1932 noch fast vierzig Jahre entfernt, die Unterschiede der Embryonen werden daher anders erwirkt) . Allerdings war es bei Wilhelm eine Notwendigkeit ohne Alternative. Hier ist es eine bewusste Entscheidung, weil man gezielt bestimmte Menschentypen herstellen und auch bezüglich ihrer zukünftigen Aufgabe konditionieren will. Stromschläge für Babys, damit sie lernen Blumen und Bücher zu hassen - das ist schon sehr harte Kost!

 

Der Stil ist beizeiten etwas anstrengend, so wechselt in Kapitel drei die Perspektive recht häufig, was am Ende darin gipfelt, dass sie jeden Satz wechselt! Ich sehe, dass das Absicht war und einen bestimmten Effekt hat, mir persönlich ist davon aber etwas schwindelig geworden. (In Kapitel 4 geht es aber normal weiter)

 

Interessant und sehr verstörend finde ich, dass Sex auch unter Minderjährigen normal ist und Polygamie ebenfalls die Norm ist, während Monogamie belächelt wird. An einigen Stellen kann ich kaum glauben, dass das Buch schon so alt sein soll, es kommt mir kein bisschen verstaubt vor.

 

Leider kommt der Roman für mich nicht so richtig in Fahrt. Zunächst mache ich Bernard und Lenina als Protagonist*innen ausfindig. Die beiden finden dann unter einem Naturvolk Linda und ihren Sohn John und nehmen sie in die Zivilisation mit. In Lindas Fall bringen sie sie eher dorthin zurück, da kam sie nämlich damals her, als sie schwanger war. John jedoch ist ganz neu in der "Brave new world".

 

Das Konzept des Mutterseins ist den zivilisierten Leuten dieser Welt sehr fremd und beinahe schon widernatürlich zuwider. John "the Savage" kommt mit der Zeit schlechter und schlechter klar.

 

Es gibt durchaus witzige Ideen, z. B. wie die Menschen dieser Welt "Romeo und Julia" sehen. Die Poesie genießen, aber dem Plot kaum folgen können, weil der Konflikt zu weit weg von ihrer Lebensrealität ist. Ebenfalls spannend fand ich die Passage, als darüber sinniert wird, warum die Menschen der Zivilisation mit Literatur nichts anfangen können. Sie können sich Leid nicht vorstellen. Daher sind Dramen für sie bedeutungslos, sie können sich darin nicht einfühlen. 

 

Interessant ist, dass wir den Roman sicherlich als Dystopie empfinden. Die Menschen in der Brave New World vermuten sich größtenteils wohl mehr in einer Utopie. Das ist ja das gruselige an dem Roman.

 

Meine persönliche Meinung

 

Während ich noch las, unterhielt ich mich mit einem Freund, der das Buch ebenfalls gelesen hat. Er meinte, er habe ihm nicht so gefallen. Ich sagte, ich sei froh, dass Huxley nur ein wichtiges Buch geschrieben hat, dann müsse ich nicht noch zehn weitere lesen. Mein Freund erwiderte, dass es vielleicht besser gewesen wäre, er hätte zehn andere gehabt, dann hätte er vielleicht Übung gehabt. Meine Recherchen ergeben allerdings, dass Huxley durchaus zehn andere Bücher hatte. 

Die lese ich aber nicht. Ich ziehe jederzeit Wells, Vernes und Orwell vor.

 

Ein bisschen Background

Der Roman spielt im Jahr 632 A. F., für uns verständlich ist damit das Jahr 2540 gemeint.

Nun, der Roman steht an Platz 5 der 100 besten Romane aller Zeiten. Dass er einflussreich war, daran habe ich keinen Zweifel, aber rückblickend, also, von 2020 aus, denke ich, er ist schwer zu lesen und schwer zu ertragen. Wenn ich mir die Top 15 dieser Liste so anschaue, kenne ich ansonsten auch nur "Der große Gatsby", "1984" und "Lolita" (haben mir alle drei besser gefallen).

Sympathisch ist, dass Brave New World in Deutschland ab 1933 verboten war.

 

Trivia

Huxley starb am gleichen Tag wie John F. Kennedy. 

Vor seinem Tod nahm er 2x 100 Mikrogramm LSD.

(Quelle: Wikipedia)

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