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Sterntagebücher (Hörbuch) von Stanislav Lem

Harte Fakten

Titel Sterntagebücher (Aus den Erinnerungen Ijon TIchys)
Autor Stanislav Lem
Dauer 3 Std. 3 Minuten
Sprecher Michael Schwarzmaier
Erscheinungsjahr Originalbuch 1971
Erscheinungsjahr Höbuch 2019
Anzahl Geschichten 5

Inhalt: Aus den Erinnerungen von Ijon Tichys

Wir haben das Suhrkamp Taschenbuch im Regal stehen, daher war klar, dass drei Stunden nicht die gesamte Sammlung umfassen können. Hier wurden lediglich die letzten Geschichten vertont, "Aus den Erinnerungen von Ijon Tichy", quasi die "Nicht-Reisen".

 

Daher rezensiere ich lediglich diese, die anderen sind nicht Teil dieses Hörbuchs und die habe ich auch noch vor mir.

 

I

Professor Corcoran glaubt nicht nur nicht an Geister, er glaubt nicht einmal an andere Menschen, außer an sich selbst. Eine Haltung, die ich bisher eher bei Kindern im Grundschulalter beobachtet habe: Alles simuliert, nur ich kann denken.

Tichy besucht ihn in seinem Labor. Es stellt sich heraus, dass er genau dies für andere "denkende Wesen" hergestellt hat. Elektronische Simulation der Sinne. Er hat unterschiedliche Welten geschaffen und die Wesen darin halten diese für echt. Überzeugend.

 

II

Professor Decantor hat sich eine Aufgabe gesucht, der er gewachsen ist und die für die Menschheit interessant ist: Die Konservation der Seele für die Ewigkeit, mit anderen Worten: Die Unsterblichkeit. Eigentlich, wovon viele Religionen so predigen. Allerdings gilt die Unsterblichkeit nur für die Seele, nicht für den Körper oder die Sinne. Man wäre alleine mit sich und seinen Gedanken. Dies hat auch schon geklappt: Mit seiner Ehefrau. Deren Seele ist nun für die Ewigkeit konserviert. Tichy ist schockiert, als er feststellt, dass während des Vorgangs des Konservierens der Körper nicht überlebt - krasse Story, was für eine Idee! Wieder einmal konsequent zu Ende gedacht.

Dies ist aus meiner Sicht die beste Idee der Sammlung, ich war sehr beeindruckt und schockiert, auch von der zweiten Ebene dahinter. Wie stellen wir uns die Unsterblichkeit der Seele vor und ist diese überhaupt erstrebenswert?

 

III

Professor Sasul hat sich selbst erneut hergestellt. Das Verfahren beschreibt quasi das Klonen, der Klon wächst auch deutlich schneller. Da schwimmt eine Leichte im Bottich, die Tichy für die Kopie hält - und er will dem Professor deswegen Vorhaltungen machen: Nur weil er die Kopie selber erschaffen hat, darf er sie noch lange nicht töten. Doch so war es keineswegs...

Ich muss sagen,ich war kurz vor dem Schluss selber drauf gekommen. Aber warum wohl? So oft wie Lems Ideen vermutlich inzwischen kopiert worden sind, habe ich wohl eine Menge Nachfolge-Ideen gelesen und gesehen. Das Ärgernis der späten Geburt.

 

IV

Molteris (ausnahmsweise wohl mal kein Professor) hat eine Zeitmaschine gebaut. Er möchte damit von Tichys Wohnung aus dreißig Jahre in die Zukunft reisen, um herauszufinden welche Geldgeber damals investiert haben, um diese gezielt ansprechen zu können. Doch während er durch die Zeit reist, altert auch sein Körper um die Jahre, die er reist.

Wahnsinnig guter Clou. Mit extra-Pointe am Ende. Ich bin begeistert.

 

V (Die Waschmaschinen-Tragödie)

Spaßgeschichte, die juristischeund philosophische Rafinessen entwickelt. Erst geht es nur darum, beliebte Waschmaschinen zu entwickelt, die besser sind als die der Konkurrenz. Dadurch entwickeln sich Roboter, sehr menschenähnlich und definitiv etwas, das wir als KI bezeichnen. Roboter bekommen sogar Kinder. Irgendwann fängt das alles an, sehr undurchschaubar zu werden, erst Recht als ein Mensch zu einem Roboter wird, sich stark vergrößert und 300.000 Kinder hat. Oder sind diese Duplikate? Körperteile?

Dies ist übrigens die einzige Geschichte auf diesem Hörbuch, die (zumindest anfangs) nicht szenisch ist, sondern zusammenfasst. Alles andere ist sehr lebhaft geschrieben mit viel Dialog.

 

Die Anstalt des Doktor Vliperdius

Witzig, Roboter denkt, er sei eigentlich ein Mensch und sein Körper wurde mit dem eines Roboters ausgetauscht.

 

Fazit

Lem denkt die Geschichten immer zu Ende. Modernere hätten vielleicht kurz vorher schon zur Pointe gefunden - oder eben gar nicht. Ich finde das sehr befriedigend, dass es wirklich erst zu Ende ist, wenn es zu Ende ist. Nach Solaris (bei dem irgendwie ja doch einiges zumindest in meinem Kopf offen blieb) hätte ich damit gar nicht gerechnet.

Witzig: Den verrückten Professor hat er voll drauf. Dies ist außerdem extrem gut vorgelesen.

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