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Zombieromanrezensionsprojekt

Zombieromanrezensionsprojekt

Für diesen Vergleich habe ich am Wochenende drei Romane gelesen:

 

Ich verwese von Tanja Hanika

Killing Zombies and kissing you von Margret Kindermann

Warm bodies: Mein fahler Freund von Issac Marion

 

Im Folgenden gehe ich auf Genre, Zombies, Setting und Weltenbau ein. Teilweise berühre ich den Inhalt der Geschichte, halte mich aber mit Spoilern zurück.

 

Spoilerfreie Rezensionen finden sich ebenfalls auf meinem Blog, siehe Links hinter den Titeln.

Allgemeines und persönliches

Ich kenne die Comics und die Fernsehserie "The Walking Dead" (und "Fear the Walking Dead"), "28 days later" und "28 weeks later", den Klassiker "Braindead", "Shawn of the Dead", "Zombieland", Scouts vs. Zombies" und vermutlich noch so einiges, das ich wieder vergessen habe. Und natürlich alle Resident Evil Filme.

Bis auf zwei Walking-Dead-Romane hatte ich bisher aber noch keine Zombie-Romane gelesen.

 

Zum Ausgleich habe ich nun drei an einem Wochenende verschlungen, die ich hier miteinander vergleiche. 

Genre

Zur besseren Lesbarkeit verwende ich im Folgenden die Kurztitel "Ich verwese", "Killing Zombies" und "Warm bodies" und verzichte auf den vollen Titel.

 

Von allen Romanen ist "Ich verwese" am leichtesten zu klassifizieren. Es steht Horror dran, es ist Horror drin. Mit allen Versprechungen des Genre. Man darf nicht zimperlich sein, das Buch bei empfindlichen Magen nicht beim Essen lesen und muss darauf gefasst sein, dass auch Mütter, alte Leute und Kinder nicht verschont bleiben. Das Buch ist gruseliger als die meisten Filme und Serien, die ich genannt habe, bestenfalls "Fear the Walking Dead" ist stellenweise ebenso erbarmungslos.

 

"Killing Zombies" schildert die Zombietötungsszenen weniger detailreich und kann daher auch beim Essen oder kurz vor dem Schlafengehen genossen werden. Zwar gibt es auch hier Todesfälle unter den Lebenden, aber insgesamt kann man sich doch sicher sein, dass der Roman ein Happy End ansteuert. Offizielle Genrebezeichnung lautet hier "New Adult, Romance und Endzeit".

 

"Warm bodies" ist nun eher eine romantische Komödie mit Zombiehintergrund, auch wenn für meinen Geschmack gern ein wenig mehr Komödie dabei hätte sein können. So sind meiner Meinung nach sowohl "Shawn of the Dead" als auch "Zombieland" deutlich witziger, auch "Scouts vs. Zombies" hat eindeutig mehr Humor. Die Romantik will ich dem Werk aber keinesfalls abstreiten, da hat es gewonnen, wohl auch noch vor "Killing Zombies", einfach weil die Konstellation "Zombie liebt Menschen" so originell ist. 

Fähigkeiten der Zombies

Auch hier sind die Zombies in "Ich verwese" die gefährlichsten. Sofern sie nicht zu verstümmelt sind, können sie durchaus noch rennen. So etwas kenne ich aus klassischen Zombie-Darstellungen nicht. Einzig in "28 days later" bzw. "28 weeks later" können die Angreifenden rennen, aber das sind streng genommen auch keine Zombies, sondern noch lebende Menschen, die mit einem Virus infiziert wurden. Darüber hinaus kann ein Blutstropfen eines Infizierten im Auge schon zur Übertragung des Wut-Virus führen, dafür verhungern die Infizierten aber auch nach ein paar Wochen ohne Nahrung. In Resident Evil sind die "Zombies" natürlich zum größten Teil auch deutlich gefährlicher.

Ob Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, sich ebenfalls in Zombies verwandeln, wie in "The Walking Dead" und übrigens auch in "Warm bodies", bleibt unklar. Falls nicht, wäre diese Zombie-Apokalypse eher eine temporäre, die Zombies verwesen nämlich durchaus und werden bewegungsunfähig, wenn dies auch eine Weile in Anspruch nimmt. Natürlich werden frisch gebissene oder gekratzte Menschen wiederum recht schnell zu neuen Zombies.

Interessant ist, dass hier die Verwandlung von Mensch in Zombie von innen dargestellt wird. Keinesfalls plötzlich, wie in "The Walking Dead", dort stirbt der Mensch zuerst und kehrt dann - Sekunden, Minuten oder auch Stunden - nach seinem Tod als Zombie zurück. Hier ist es so, dass erst alles fade schmeckt, das Wasser kommt der Ich-Erzählerin abgestanden vor, die Lasagne schmeckt nichts, sie fühlt sich nicht, ist müde. Dann die Verwandlung, die ausführlich geschildert wird und somit ein Wechsel der Interessen und konsequenterweise auch ein Wechsel der Perspektive von "Ich" zu "Es" vonstatten geht.

 

Die Zombie-Apokalypse in "Killing Zombies" ist schon ein paar Monate her und daher ist klar, dass die Zombies kaum oder nur sehr langsam verwesen. Andererseits sind sie langsam und können leicht besiegt werden, und die eines natürlichen Todes gestorbenen bleiben tot, weshalb ein Neuanfang in einem abgeschiedenen und gut gewachten Areal sehr erstrebenswert ist. Die Bedrohung sind aufgrund der gesetzlosen Welt wohl eher die Lebenden - ganz wie in klassischen Zombie-Serien wie "The Walking Dead".

 

Bei "Warm bodies" haben die Zombies deutlich mehr Fähigkeiten als ich es sonst von ihnen gewohnt bin. Selbst zu Beginn verfügen sie über einen primitiven Wortschatz. Außerdem erscheint mir die Idee recht innovativ, dass ein Zombie nicht unbedingt ein Zombie bleiben muss, sondern durchaus wieder Richtung Leben wandeln kann.

Hier wird außerdem unterschieden zwischen den Zombies, die noch als Menschen erkennbar sind und den "Bones", den Skeletten, bei denen die Menschlichkeit nicht mehr zurückkommt.

Weltenbau

In "Ich verwese" wird nichts erklärt. Dazu ist die Story viel zu kurz und pointiert. Es gibt plötzlich Zombies. Damit ist die Story ja nun beileibe nicht alleine, in den meisten Zombiegeschichten wird nicht erklärt, wo plötzlich all die Zombies herkommen. Meistens gehen sie auch nicht wieder weg (Ausnahme: Shawn of the Dead und Scouts vs. Zombies, bei Braindead bleibt es auch ein einmaliges Ereignis) und dünnen sich höchstens nach vielen, vielen Jahren aus (The Walking Dead, hier beziehe ich mich nur auf die Comicserie).

 

"Killing Zombies" erklärt hier auch nichts. Aber immerhin gibt es die Chance eines Neuanfangs, auch in größeren Gruppen, da die natürlich gestorbenen sich nicht verwandeln.

 

In "Warm bodies" ist durchaus ein wenig mehr Weltenbau zu spüren. Die Welt wurde bereits vom Krieg und Katastrophen gebeutelt, die Zombies kamen war zuletzt, aber bereits in einer Welt, die stark angeschlagen war. Hier werden auch jene zu Zombies, die eines natürlichen Todes gestorben waren. So vermutlich auch der Ich-Erzähler R, da er keine Bissspuren aufweist.

Humor

Während in Zwietracht der gleichen Autorin durchaus mal hier mal da Humor durchschien, bevor alles in eine eindeutige Horror-Richtung ging, finde ich davon in "Ich verwese" nichts. Es wäre vielleicht auch fehl am Platz, so rasch entwickelt sich die Handlung Richtung Katastrophe.

 

"Killing Zombies" ist nun auch keine Komödie, wenn sie auch deutlich leichtfüßiger und optimistischer daherkommt als "Ich verwese", obwohl sie in einigen Figuren krasse Abgründe aufzeigt.

 

"Warm bodies" hat witzige Szenen, sogar viele, doch richtig laute Lacher kommen hier nicht auf. Ja, es ist witzig, dass ein Zombie nicht ausparken kann. Es ist witzig, dass er seiner menschlichen Liebe gern Essen kredenzen will, aber im Flughafen, wo er wohnt, fast alles bereits madig geworden ist und sie ihn piesackt, er müsse am "Candlelight-Dinner" noch arbeiten. Es sind aber mehr liebenswerte Szenen als vordergründig witzige, weshalb hier doch eher die Romantik und die Menschlichkeit (auch auf Seiten des Zombies) im Vordergrund stehen und weniger die Komik.

Empowernde Figuren

In allen Romanen werden starke Frauenfiguren gezeigt, wenn auch teilweise nur als Nebenfiguren, Frauen, die in einer Zombiewelt taff sind und sich selber helfen, Zombies töten und mit Waffen umgehen. Es hilft vielleicht auch, dass hier zwei von drei Autor*innen weiblich sind.

 

In "Killing Zombies" und "Warm bodies" gibt es Schwarze Personen, jeweils Frauen. In "Killing Zombies" gibt es außerdem eine Figur, die vermutlich schwul ist, oder metrosexuell, er muss sich nicht outen. 

Fazit

Wer sich einen Überblick verschaffen wollte, wie abwechslungsreich das Thema "Zombies" behandelt werden kann, ist mit diesen drei Romanen bestens dabei. 

 

Ansonsten kann man - je nach Genregeschmack - die Romane natürlich auch einfach so genießen. 

 

Das Wichtigste ist sowieso für mich, dass die Figuren welche sind, denen ich gern mal einen Samstagnachmittag folgen möchte, und dieses Kriterium erfüllen alle drei.

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